Opel-Logo bei einem Opel-Händler | Bildquelle: dpa

Verkaufspläne für ITEZ Opel künftig nur Hülle für Peugeot?

Stand: 05.07.2018 13:09 Uhr

Die Opel-Mitarbeiter fühlen sich betrogen, nachdem gestern Pläne für den Teilverkauf des Entwicklungszentrums bekannt wurden. Sie fürchten nun den Ausverkauf des Unternehmens.

Von Jan-Peter Bartels, HR

 "Opel ohne ITEZ ist wie ohne Bizeps" steht auf einem Plakat, "Wir fordern Respekt" steht auf einem anderen. Die Stimmung ist aufgeheizt unter den Tausenden Opel-Mitarbeitern bei der Betriebsversammlung, kurz vor neun Uhr heute morgen in der Halle K48 in Rüsselsheim.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug bringt die Sorgen auf den Punkt: "Jedem von uns ist klar: Das Herzstück von Opel ist die Entwicklung. Eine Markenidentität der Marke Opel gibt es nur, wenn es auch eine Entwicklung gibt, die diesen Namen verdient. Wir haben die Befürchtung, dass das der Ausverkauf von Opel ist."

Sorge vor weiterem Stellenabbau bei Opel
tagesschau 20:00 Uhr, 05.07.2018, Jan-Peter Bartels, HR

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"Geschäftsleitung sagt halbe Wahrheit oder Unwahrheit"

Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug spricht in Mikrofone | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutt
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"Diesem Vorstand und PSA glauben wir kein Wort mehr" - Opel-Gesamtbetriebsratschef Schäfer-Klug.

Am Dienstagabend hatte die französische Zeitung "Le Monde" berichtet, die Opel-Mutter PSA wolle Teile des Entwicklungszentrums (ITEZ) verkaufen. Eine Zeitungsmeldung, die Schäfer-Klug kalt erwischte. Überrascht fasste er nach, jetzt ist er sich sicher: "Wir wissen mittlerweile, dass Papiere vorliegen, die klar dokumentieren, wie fortgeschritten die Gespräche sind, und dass uns die Geschäftsleitung hier bewusst nur die halbe Wahrheit oder die Unwahrheit sagt. Die Empörung in der Belegschaft ist riesengroß."

Insgesamt sind im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rüsselsheim 7700 Ingenieure beschäftigt. Der französische PSA-Konzern hatte Opel erst im vergangenen Jahr für 1,3 Milliarden Euro vom US-Autobauer General Motors (GM) übernommen.

4000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Weil Opel seit Jahren Verluste schreibt, verhandelte PSA mit der Belegschaft über ein Sparprogramm. Laut der Einigung sollen 3700 Mitarbeiter gehen, allerdings sozialverträglich über Abfindungen, auslaufende Verträge oder Frühverrentung. Nun stehen plötzlich 4000 weitere Arbeitsplätze im Entwicklungszentrum auf dem Spiel, glaubt der Betriebsrat.

"Wir haben die Geschäftsleitung bei den Verhandlungen gefragt, ob es für das Entwicklungszentrum Käufer oder Kaufverhandlungen gibt", so Schäfer-Klug. "Beide Fragen wurden damals mit Nein beantwortet. Deswegen sind wir so empört. Man kann ganz klar sagen: Diesem Vorstand und PSA glauben wir kein Wort mehr."

Opel-Marktanteil sinkt seit Jahren

Marktbeobachter wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen vermuten eine durchdachte Strategie. Opel sei schließlich als eigenständige Marke in den vergangenen Jahrzehnten stetig schwächer geworden: So sei der Marktanteil von Opel in Europa stark gefallen - von fast zwölf Prozent im Jahr 1997 auf weniger als sechs Prozent in diesem Jahr.

Gleichzeitig habe Opel einen hohen Anteil an Eigenzulassungen: "Opel laufen die Kunden schon länger weg. Man muss sie mit Tageszulassungen und jungen, billigen Gebrauchtwagen ködern." Während die Eigenzulassungen bei Opel bei 41 Prozent lägen, seien es bei Volkswagen beispielsweise 26 Prozent, der Marktdurchschnitt liege bei rund 28 Prozent.

Deswegen könne es aus Sicht von PSA sinnvoll sein, vermutet Dudenhöffer, Opel umzubauen in Richtung einer "Hülle für Citroen- und Peugeot-Fahrzeuge". PSA habe sich mit Opel einen Absatz von 1,2 Millionen Neuwagen quasi "dazugekauft". Die Eigenständigkeit des Entwicklungszentrums sei für diese Strategie nicht essentiell.

Opel-Mitarbeiter fordern auf einem Plakat den Erhalt des Entwicklungszentrums ITEZ | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutt
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Opel-Mitarbeiter fordern den Erhalt des Entwicklungszentrums ITEZ, in dem Tausende Jobs auf dem Spiel stehen könnten.

Kein klares Dementi der Opel-Führung

Die Unternehmensleitung von Opel will sich zu den Gerüchten heute nicht äußern. Gestern gab es ein schriftliches Statement des Opel-Chefs: "Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel. Alle künftigen Opel-Modelle werden hier in Rüsselsheim entwickelt", versucht Michael Lohscheller darin die Sorgen zu dämpfen.

Er erklärt: "Wir wissen jedoch, dass die Auftragsvolumen von GM in den kommenden Jahren drastisch abnehmen werden. Deshalb prüfen wir unterschiedliche Optionen, wie eine nachhaltige und erfolgreiche Aufstellung im ITEZ erreicht werden kann. Strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen sind dabei Teil dieser Überlegungen."

Als deutliches Dementi der französischen Zeitungsberichte versteht das der Betriebsrat nicht: Um Opel weiterzuentwickeln, werde es vermutlich nicht reichen, dass einige wenige Ingenieure in Rüsselsheim "nur noch Hüte auf die PSA-Technologie setzen", erklärte Schäfer-Klug heute: "Hier wird versucht, hinter dem Rücken de Belegschaft Tatsachen zu schaffen. Aber die Belegschaft ist kämpferisch und wird sich wehren."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2018 um 11:37 Uhr.

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