Opel-Autohaus | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutt

Autobauer in der Krise Wie ein Machtkampf Opel lähmt

Stand: 20.04.2018 00:41 Uhr

In Eisenach bangen 800 Opel-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Dahinter steckt ein interner Machtkampf: Der Gesamtbetriebsrat wirft der Konzernführung vor, die Mitarbeiter zu täuschen.

Von Andreas Clarysse, HR

Es gibt auch gute Nachrichten bei Opel: Arbeitnehmervertreter und Konzernleitung reden noch miteinander. Nicht mehr und nicht weniger. Hinter den Kulissen ist ein Machtkampf ausgebrochen, bei dem es nur vordergründig um etwa 800 Arbeitsplätze am Standort Eisenach geht.

An drei Standorten, in Rüsselsheim, Kaiserslautern und in Eisenach, wurden heute die Mitarbeiter über die "wahren Hintergründe" der Auseinandersetzung informiert. "Die Arbeitgeber", so Wolfgang Schäfer-Klug, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates nach der Betriebsversammlung in Rüsselsheim, "informieren die Mitarbeiter bewusst falsch, mit 'Fake-News'". Das führe zu Existenzängsten.

Viele tausend Mitarbeiter würde die Angebote zur Altersteilzeit oder aber Abfindungen annehmen, um das Unternehmen verlassen zu können. Im Gegenzug würde Opel/PSA dann Leiharbeiter zu niedrigeren Stundenlöhnen einstellen.

Opel-Betriebsversammlung in Eisenach
nachtmagazin 00:15 Uhr, 20.04.2018, Alexander Reißland, Paul Pietraß, MDR

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Hat Opel eine Zukunft?

In Europa arbeiten etwa 37.000 Menschen (Stand: Ende 2017) an zehn Standorten für Opel und deren Schwesterfirma Vauxhall. Opel-Chef Lohscheller sagte auf einer internen Veranstaltung, die Erträge würden deutlich besser. Aber in dieser Woche wurden die Verträge mit allen Opel-Händlern gekündigt. Auch die Marktanteile gehen weiter zurück: von 6,5 Prozent im ersten Quartal in 2017 auf 5,8 Prozent im gleichen Zeitraum 2018. Opel verkaufte 25.000 Autos weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Zahlen, um die eigenen Arbeitsplätze zu retten

Eigentlich geht es um die Frage: wie viel sind alle Mitarbeiter bereit zu bezahlen, um die eigenen Arbeitsplätze zu retten? Nachdem General Motors (GM) Opel an PSA verkauft hatte, versprach der neue Eigentümer, die dringend notwendige Sanierung solle ohne Entlassungen und Werksschließungen auskommen. Bis Ende 2018 werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Opel-Mitarbeiter treffen zur Betriebsversammlung in Rüsselsheim ein. | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutt
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Opel-Mitarbeiter treffen zur Betriebsversammlung in Rüsselsheim ein.

"Die Opel-Beschäftigten sollen dauerhaft auf 4,3 Prozent ihres Geldes sowie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten", sagt Schäfer-Klug. Dem werde der Betriebsrat aber nicht zustimmen. Aber Opel/PSA will die Kosten senken und beharrt im Moment auf ein Entgegenkommen der Arbeitnehmer. Das könnte Konsequenzen für den Standort Eisenach haben.

Dort warten die Mitarbeiter auf die dringend notwendige Investitionsentscheidung. Die Produktion des Adam läuft aus, der Corsa wird künftig ganz in Spanien gefertigt. GM hatte Eisenach zwei neue Modelle versprochen, den Arbeitnehmern Zugeständnisse abgerungen und darüber einen Tarifvertrag geschlossen. PSA/Opel hatte zugesagt, diesen Vertrag zu erfüllen, allerdings mit anderen Modellen.

Der aktuelle Konflikt setzt hier an: Denn Opel möchte weitere Kostensenkungen erreichen. Dazu sind Betriebsrat und IG Metall nicht bereit - PSA/Opel weigert sich im Gegenzug, zwei neue Modelle in Eisenach fertigen zu lassen. Die Konsequenz: Etwa 800 Arbeitsplätze könnten nach 2018 wegfallen.

Merkel: Opel soll seine Versprechen halten

Die Politik ist alarmiert: Der Einladung zu einem Krisengipfel, unter anderem mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Arbeitsminister Hubertus Heil, war PSA-Chef Carlos Tavares Anfang der Woche nicht nachgekommen. Angeblich war die Einladung zu kurzfristig erfolgt. Am Mittwoch schaltete sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ein: "Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält."

Und PSA/Opel? Die Unternehmenssprecher sagen: Tarifgespräche würden grundsätzlich nicht kommentiert. Wie gesagt: Die Tarifparteien reden noch miteinander. Solange sie das tun, hat auch der Standort Eisenach eine Überlebenschance. Allerdings drängt die Zeit. Je weiter die Marktanteile sinken, desto größer wird der Kostendruck werden.

Opel-Produktionsstätten in Deutschland

Standort Rüsselsheim
Am größten Opel-Standort sind noch 14.180 Mitarbeiter beschäftigt. Gebaut werden hier die Modelle Insignia, Zafira, Getriebe, Achsen und Komponenten. Zu dem modernsten Werk gehört auch das technische Entwicklungszentrum. Die Mitarbeiter arbeiten zwar in Kurzarbeit, aber dieses Werk ist wahrscheinlich nicht von einer Schließung bedroht.

Standort Eisenach
In Thüringen steht das kleinste Opel-Werk mit zirka 1800 Mitarbeitern. Gefertigt werden hier die Modelle Adam und Corsa. Etwa 800 Arbeitsplätze sind gefährdet.

Standort Kaiserslautern
In dem Komponentenwerk werden Dieselmotoren, Karosserie- und Fahrwerkskomponenten hergestellt. Beschäftigt sind hier 2.130 Mitarbeiter. Da immer mehr Motoren und Komponenten von PSA (Peugeot, Citroen und DS) übernommen werden, steht auch Kaiserslautern auf der Kippe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. April 2018 um 11:37 Uhr.

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