Erdölförderung | Bildquelle: dpa

Auswirkungen des Coronavirus OPEC will weniger Öl fördern

Stand: 05.03.2020 16:05 Uhr

Die Corona-Krise hat auch zu einem Preisverfall beim Rohöl geführt. Darauf wollen die OPEC-Staaten nun reagieren. Sie kündigten an, weniger Öl fördern zu wollen. Ob Russland zustimmt, ist fraglich.

Die Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) will angesichts der Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf die Weltwirtschaft eine deutliche Verringerung der aktuellen Rohölförderung erreichen. Die OPEC forderte laut einer Mitteilung eine Förderkürzung um 1,5 Millionen Barrel Öl - je 159 Liter - pro Tag für das zweite Quartal. Eine Million Barrel sollen dabei die 14 OPEC-Staaten einsparen - 500.000 Barrel die zehn Kooperationspartner, darunter Russland.

Die Kürzung entspräche rund 1,5 Prozent der weltweiten Ölproduktion. Die OPEC-Staaten wollen nun bei ihrem Gipfeltreffen in Wien mit ihren Kooperationspartnern über den Vorschlag beraten. Ob Russland dem zustimmt, ist fraglich. Bislang hat die Regierung in Moskau signalisiert, dass sie zu einer Verlängerung der mit der OPEC vereinbarten Fördergrenze von insgesamt 2,1 Millionen Barrel pro Tag bereit ist, aber nicht zu einer noch stärkeren Drosselung.

Wirtschaftliche Probleme durch Coronavirus

Die OPEC und ihre Partner stehen derzeit unter großem Druck: Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus führte weltweit zu wirtschaftlichen Problemen. Der Ausbruch des Coronavirus drückt auf die Ölnachfrage, weil Flüge gestrichen und Reisen abgesagt wurden, um eine weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern. Nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD könnte sich das für 2020 erwartete Wachstum halbieren, sollte sich das Virus im asiatisch-pazifischen Raum, Europa und Nordamerika weiter ausbreiten.

Der Ölpreis war in den vergangenen Wochen deutlich gefallen: Zum Jahreswechsel lag er für ein Barrel der Nordseesorte Brent bei mehr als 65 US-Dollar, heute dagegen unter 52 US-Dollar.

Die "OPEC+" - das sind die 14 OPEC-Staaten plus die zehn Kooperationspartner - versucht seit drei Jahren, mit Förderlimits den Ölpreis zu stabilisieren. Erst Anfang Dezember 2019 hatten die 24 Länder eine Kürzung um insgesamt 2,1 Millionen Barrel im Vergleich zu Oktober 2018 beschlossen. Vor allem Saudi-Arabien hat großes Interesse an einem deutlich höheren Ölpreis. Die OPEC produziert derzeit rund 28,9 Millionen Barrel Öl pro Tag, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern sind es rund 45 Millionen Barrel täglich.

Sorge vor Coronavirus im Konferenzsaal

Bereits vor dem Treffen in Wien waren Experten davon ausgegangen, dass eine Förderkürzung um rund eine Million Barrel pro Tag fast unumgänglich ist. "Eine Produktionskürzung von weniger als einer Million Barrel pro Tag würde für weiteren Abgabedruck sorgen", schrieb etwa die Commerzbank. Ein "OPEC+"-Komitee hatte Mitte Februar empfohlen, 600.000 Barrel Öl - ein Barrel entspricht 159 Liter - pro Tag weniger zu fördern. Die starken wirtschaftlichen Auswirkungen durch das neuartige Coronavirus wurden aber erst einige Tage später wirklich deutlich.

Die Sorge um die Verbreitung des Virus hatte beim Treffen in Wien konkrete Folgen: Sämtlichen Ministern und Begleitern wurde bei Betreten der OPEC-Zentrale die Körpertemperatur gemessen, Journalisten durften das Gebäude gar nicht betreten. Die 14 OPEC-Staaten waren zudem aufgerufen, ihre Delegationen möglichst klein zu halten. Im Konferenzsaal wiesen große Banner darauf hin, sich die Hände gründlich zu waschen und das Händeschütteln sowie Umarmungen zu vermeiden.

OPEC möchte Fördermenge kürzen
Andrea Beer, ARD Wien
05.03.2020 21:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2020 um 15:00 Uhr im Wirtschaftsressort.

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