Das Symbol eines Warenkorbes, beziehungsweise eines Einkaufswagen fotografiert von der Webseite eines Internethändlers. | dpa

Umsätze schrumpfen Ernüchterung im Onlinehandel

Stand: 02.06.2022 14:55 Uhr

Lange Zeit profitierte der Onlinehandel von der Corona-Pandemie und wuchs rasant. Nun aber scheint der Hype vorbei. In der ersten Hälfte des zweiten Quartals sanken die Umsätze.

Ob Mode, Unterhaltungselektronik oder Lebensmittel: Zwei Jahre lang boomte der Onlinehandel dank der Corona-Krise. Weil viele Geschäfte lange Zeit geschlossen waren, und aus Furcht, sich im Geschäft anzustecken, kauften Verbraucher zunehmend Waren im Internet ein. Die E-Commerce-Industrie war der große Corona-Gewinner. 2020 und 2021 wuchs der Umsatz um 23 und 19 Prozent.

Kein zweistelliges Wachstum mehr dieses Jahr?

Doch nun ebbt der Hype ab, die Boombranche normalisiert sich. Nach zwei Rekordjahren mit zweistelligen Zuwachsraten stellt sich die E-Commerce-Industrie auf magerere Zeiten ein. Der Branchenverband bevh rechnet mit einer Normalisierung der Umsätze. "Auch der E-Commerce kann sich den Auswirkungen von Krieg, steigenden Preisen und verunsicherten Verbrauchern nicht entziehen", teilte der bevh heute mit. Die Prognose von zwölf Prozent Umsatzwachstum sei nicht mehr zu halten, warnte der Verband.

Im angelaufenen zweiten Quartal schrumpften gar die Erlöse im E-Commerce. Von Anfang April bis Mitte Mai fielen sie um 6,7 Prozent - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders die Nachfrage nach Einrichtungsgegenständen, Elektroartikeln und Heimcomputern brach ein. Lediglich Dinge des täglichen Bedarfs blieben hingegen gefragt. Der Online-Umsatz mit Lebensmitteln, Drogerie-Artikeln und Tiernahrung wuchs um über vier Prozent. Die Sparte Bürobedarf verzeichnete sogar einen Zuwachs von elf Prozent.

Umsatzrückgänge bei Zalando und Amazon

Mehrere große Online-Händler signalisierten bereits in den letzten Wochen ein Abflauen des E-Commerce-Booms. So verzeichnete der Online-Modehändler Zalando im ersten Quartal erstmals einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent. Bei Amazon schrumpften die Erlöse in den ersten drei Monaten des Jahres um drei Prozent.

Am Dienstag kassierte der zweitgrößte deutsche Online-Händler Otto seine Jahresprognose. Eigentlich hatten die Hamburger mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet. Nun wagt Otto keine Prognose mehr und erwartet lediglich eine Umsatzsteigerung bei deutlich geminderter Ertragsstärke.

HDE rechnet noch mit zwölf Prozent Plus

Am optimistischsten ist noch der Handelsverband HDE. Zwar senkte er Anfang Mai die Prognose für den Onlinehandel, rechnet aber immer noch mit einem Umsatzplus von 12,4 Prozent. "Nach zwei Rekordjahren in Folge stößt das Umsatzwachstum im Onlinehandel in diesem Jahr wohl an seine Grenzen", erklärte der Verband. Die schlechte Konsumstimmung wegen des Ukraine-Kriegs und der hohen Inflation treffe nun auch den Online-Bereich.

Experten zeigen sich nicht überrascht über die Abkühlung des Onlinehandel-Booms. Die Beschleunigung des Wachstums in den vergangenen zwei Jahren sei extrem gewesen, erklärt Eva Stüber, E-Commerce-Expertin des Instituts für Handelsforschung, im "Handelsblatt". Der absolute Umsatzzuwachs im E-Commerce sei 2021 fast so hoch gewesen wie im Jahr 2009 der Gesamtumsatz der Branche. Inzwischen sei der Anteil des E-Commerce in vielen Produktgruppen schon so hoch, dass es immer schwieriger für Online-Händler werde, weiter großes Volumen an sich zu ziehen. Alleine in der Modebranche liegt der Anteil von Online schon bei 46,5 Prozent.