Fertig produzierte Gondeln für Windkraftanlagen lagern auf dem Werksgelände von Siemens Gamesa in Cuxhaven. | picture alliance / Fotostand

Vor deutscher Küste Ausbau von Meeres-Windparks steht still

Stand: 16.08.2021 08:53 Uhr

In der deutschen Nord- und Ostsee liegt der Ausbau der Offshore-Parks brach. Dabei wird grüner Strom dringend benötigt. Aber etliche deutsche Firmen sind pleite, und viel Knowhow ist abgewandert.

Von Peter Becker und Hilke Janssen, NDR

An der Hafenkante von Cuxhaven stehen 80 riesige Offshore-Windturbinen fertig zum Abtransport. Die Turbinen aus dem Cuxhavener Werk von Siemens Gamesa sollen demnächst verschifft werden. Für Produktionsleiter Kristoffer Mordhorst hat die Sache allerdings einen Schönheitsfehler: "Wir liefern momentan nach England, nach Taiwan, nach Holland. Nur leider nicht nach Deutschland."

Statt in der deutschen Nord- oder Ostsee werden die 80 Turbinen in Zukunft vor der englischen Küste Strom erzeugen - im Windpark Hornsea. Das letzte Projekt in der deutschen Bucht hat Siemens Gamesa bereits vor zwei Jahren abgeschlossen. Eine Folge politischer Entscheidungen: 2014 hatte die Bundesregierung die Ausbauziele von Windstrom im Meer deutlich gedrosselt, aus Sorge, hohe Strompreise könnten die Bürger verärgern.

Mittlerweile wurden die Ziele zwar wieder erhöht: Bis 2030 sollen 20 Gigawatt installiert sein. Bis 2040 soll die Leistung dann sogar auf 40 Gigawatt verdoppelt werden. Die Frage ist aber, ob die Branche sich wieder erholen kann.

Tausende Jobs in Bremerhaven weggefallen

Das Hin und Her der politischen Vorgaben hat für Verunsicherung gesorgt. Siemens Gamesa ist groß genug, um auf Kunden im Ausland ausweichen zu können. Viele andere konnten das nicht. Vor allem Bremerhaven leidet unter der Flaute: Etliche Unternehmen sind abgewandert oder haben Insolvenz angemeldet. Allein in Bremerhaven seien 3500 Arbeitsplätze bei Offshore-Zulieferern verloren gegangen, sagt Heike Winkler vom Branchenverband WAB. Und damit sei auch das Knowhow verloren gegangen. Wenn die Aufträge wieder anziehen, müssen also wahrscheinlich Teile aus dem Ausland importiert werden. "Was traurig ist", sagt Winkler, "weil wir mit den vielen kompetenten Unternehmen eine Zuliefererindustrie aufbauen konnten, um die uns viele Länder beneidet haben."

Offshore-Windkraft war ursprünglich eine deutsche Idee. Inzwischen boomt der internationale Markt. Nur in Deutschland klafft beim Ausbau der Windkraft auf dem Meer eine Lücke. Und der dringend benötigte Grünstrom fehlt. Aktuell drehen sich vor der deutschen Küste rund 1500 Windräder mit einer Leistung von knapp acht Gigawatt. Bis zum Jahr 2030 sollen es schon 20 Gigawatt sein - also mehr als doppelt so viel.

Planung und Bau dauern Jahre

Das große Problem der Branche: Um einen Windpark im Meer zu planen und zu bauen, sind sehr lange Vorlaufzeiten nötig. Offshore-Wind kann man "nicht einfach an- und ausknipsen", sagt Branchen-Vertreterin Heike Winkler. Zwar hat die Bundesregierung das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2040 im Meer 40 Gigawatt Windstromleistung zu installieren. In den kommenden Jahren wird an der Küste trotzdem wenig passieren. "Bis die ganze Produktions- und Lieferkette wieder angeschoben ist, dauert es vier bis fünf Jahre", erklärt Siemens-Gamesa-Produktionsleiter Mordhorst.

"Der Fadenriss ist da", kritisiert Heike Winkler vom Offshore-Netzwerk WAB, das sei auch nicht mehr rückgängig zu machen. Für die Zukunft fordert sie von der Politik mehr Zuverlässigkeit. Für den Klimaschutz sei Windenergie unbedingt nötig, sagt sie. Der Ausbau der Windparks im Meer "darf kein Flop werden."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Juni 2021 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Anderes1961 16.08.2021 • 19:37 Uhr

@État DE gauche

@État DE gauche Am 16. August 2021 um 19:13 von État DE gauche @Anderes1961 """Würde man alle Kosten, die durch die Nutzung der Atomkraft tatsächlich entstehen," Andersrum. Halb so teuer. Frankreich ist der Beweis. "[...]" Schon wieder das Problem der nicht-Differenzierung zwischen Brutto und Netto. Wo dieser Unterschied verstanden wird, wird entsprechend mit niedrigen Strompreisen belohnt. Beispiel Frankreich." Sie "vergessen" aber, daß die französischen Stromerzeuger verpflichtet sind, Strom zum Selbstkostenpreis abzugeben. Nur stimmt dieser Selbstkostenpreis nicht, weil der Staat Kosten für Forschung und Entwicklung, Entsorgung, usw. vollständig aus Steuergeldern bezahlt. Das was die Franzosen bezahlen, ist der reine Gestellungspreis ohne alle Kosten. Die zahlt der Franzose auch, über die Steuer. Prinzip linke Tasche rechte Tasche. Oder böser formuliert: Schönblenden des Atomstroms für die Akzeptanz.