Das Wort "Arbeit" auf einem Schild vor blauem Himmel. | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarktstudie Fast 1,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen

Stand: 19.02.2019 12:03 Uhr

Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist auf einem Rekordhoch - trotz schwächelnder Konjunktur. Das stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Erhebung fest.

Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland hat einen neuen Rekordstand erreicht. Im vierten Quartal 2018 gab es nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deutschlandweit rund 1,46 Millionen unbesetzte Jobs. Das IAB untersucht mit seiner Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Angebot - also auch jene Jobs, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im vierten Quartal wurden Antworten von rund 14.500 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet.

Hohe Personalnachfrage

"Die Personalnachfrage ist deutlich gestiegen", sagte IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis. Das betreffe alle Branchen. Im Vergleich zum dritten Quartal habe das Stellenangebot um 221.000 zugelegt, im Jahresvergleich um 275.000. Auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kämen nun 3,5 offene Stellen. In Westdeutschland waren zuletzt rund 1,13 Millionen Stellen zu vergeben, in Ostdeutschland rund 325.000.

"Auch der Arbeitsmarktausblick ist weiter positiv", sagte Kubis. "Bei einem saisonbereinigten Rückgang der Arbeitslosigkeit steigt die Anspannung am Arbeitsmarkt aus betrieblicher Sicht dadurch weiter an. Erstmals kommen auf 150 Arbeitslose rund 100 offene Stellen."

Ein Jahr zuvor gab es noch gut doppelt so viele Arbeitslose wie unbesetzte Arbeitsplätze. Deutschland war in der zweiten Hälfte 2018 nur knapp einer Rezession entgangen. Volkswirte sprechen davon nach zwei Quartalen auf wirtschaftlichem Schrumpfkurs. Im Schlussquartal hatte das Wirtschaftswachstum stagniert, nach einem Rückgang um 0,2 Prozent im vorherigen Quartal .

Arbeitsmarkt reagiert robust auf Konjunkturschwankungen

Der Arbeitsmarkt reagiert aber robuster auf konjunkturelle Schwankungen als in früheren Zeiten. "Statt von der Konjunktur wird der Aufwärtstrend der Beschäftigung vor allem von Faktoren wie dem Wachstum des Dienstleistungsbereichs - etwa bei Pflege, Erziehung und Unternehmensdienstleistern - sowie der hohen Zuwanderung gestützt", sagte IAB-Experte Enzo Weber.

Die Verknappung von Arbeitskräften führe auch dazu, dass sich Betriebe Beschäftigte auch unabhängig von der jeweiligen konjunkturellen Lage sicherten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2019 um 12:15 Uhr in den Nachrichten.

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