Zahlen der Internationalen Energieagentur USA steigen zur Welt-Ölmacht auf

Stand: 11.10.2013 16:50 Uhr

Die USA steigen zur globalen Ölmacht auf. Dank des Fracking-Booms werden die Amerikaner die Russen schon 2014 als weltweit wichtigsten Ölförderer ablösen, schätzt die Internationale Energieagentur. Den Hochrechnungen der IEA zufolge werden die USA im nächsten Jahr elf Millionen Barrel Öl am Tag fördern - etwas mehr als Russland. Ein Barrel sind 159 Liter. Auf ein vergleichbares Volumen kommt daneben nur noch Saudi-Arabien.

Dass die USA soviel Öl produzieren wie die Saudis, war vor einigen Jahren noch schwer vorstellbar. Möglich macht die Revolution das sogenannte Fracking-Verfahren, mit dem Öl aus unterirdischen Gesteinsschichten herausgepresst wird. Erst am Donnerstag hatte die US-Regierung bekannt gegeben, dass Amerika seine Position als weltgrößter Nettoimporteur von Öl im September erstmals an China verloren hat.

Fracking-Anlage im US-Bundesstaat Colorado | Bildquelle: AP
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In Europa umstritten, in den USA inzwischen Alltag: Öl- und Gasförderung mit dem Fracking-Verfahren (hier eine Anlage in Colorado)

OPEC verliert an Einfluss

Experten messen dem Fracking-Boom nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Bedeutung zu. Denn die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zählte jahrzehntelang zu den bestimmten Faktoren der US-Außenpolitik. Nun aber scheint diese Abhängigkeit abzunehmen. Ein Beispiel: Die Sanktionen gegen den Iran würden Washington ohne die Fracking-Revolution vermutlich deutlich teurer kommen.

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), der weder die USA noch Russland angehören, verliert im Gegenzug an Einfluss. Laut Energieagentur ist der Output der OPEC-Staaten zuletzt auf 30 Millionen Barrel pro Tag gesunken, vor allem weil Länder wie Libyen oder der Irak frühere Fördermengen nicht mehr erreichen.

Die Nicht-OPEC-Staaten, angeführt von den USA, dürften ihren Output im kommenden Jahr dagegen um durchschnittliche 1,7 Millionen Barrel pro Tag steigern. Das wäre der größte Zuwachs seit den 1970er-Jahren. Auch darum ist der Ölpreis in den vergangenen Jahren trotz der politisch instabilen Lage in Nordafrika und dem Nahen Osten einigermaßen konstant geblieben. Zurzeit kostet ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent rund 110 Dollar.

Frankreich bestätigt Fracking-Verbot

In Europa ist Fracking derweil hochumstritten. Das oberste Verfassungsgremium Frankreichs wies heute eine Beschwerde gegen ein Verbot des Verfahrens zurück. Damit dürfen in Frankreich auch künftig weder Öl noch Gas aus Schiefergestein gefördert werden.

Auch in Deutschland trifft die Methode auf Widerstand. Kritiker befürchten, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet wird. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat erklärt, dass er Fracking in Deutschland in den kommenden Jahren für ausgeschlossen halte. Bei der Methode werden Öl und Gas mit Wasser und einem Chemikalien-Cocktail aus dem Gestein gelöst.

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