Eurozone

Prognose zu Folgen der Schuldenkrise OECD warnt vor Rezession in der Eurozone

Stand: 22.05.2012 12:02 Uhr

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wertet die Schuldenkrise in Europa als größtes Risiko für das weltweite Wirtschaftswachstum. "Durch die jüngsten Ereignisse haben sich die Abwärtsrisiken zusätzlich erhöht", schreibt die Organisation in ihrem neuen Konjunkturausblick. Darin warnt sie auch vor der Gefahr einer "schweren Rezession" in der Eurozone. Es drohe ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent, erklärte OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan. Er forderte die Regierungen und die Europäische Zentralbank auf, schnell zu handeln, um ein Übergreifen auf die Weltwirtschaft zu verhindern.

Sparen bremst Konjunktur erheblich

Der Prozess des Schuldenabbaus habe noch kaum begonnen. Padoan warnte, dass die Bemühungen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen eine erhebliche Bremswirkung für die Entwicklung der Konjunktur zur Folgen haben könnten. Verantwortlich dafür macht er "grundlegende wirtschaftliche, fiskalische und finanzielle Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums". Die Konjunkturerholung in den Ländern mit einer robusteren Verfassung könne kaum das darniederliegende Wachstum in anderen Ländern ausgleichen.

OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan

OECD-Chefökonom Padoan warnte vor den Folgen der Sparpolitik für die Konjunktur.

Jüngste Wahlen in Ländern wie Griechenland und Frankreich zeigen dem OECD-Bericht zufolge eine zunehmende Reformmüdigkeit in der Eurozone. Deshalb müssten Anstrengungen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und Strukturreformen Hand in Hand gehen, "damit dieser Prozess so wachstumsfreundlich wie möglich ist".

Schritte auf dem Weg zu möglichen Eurobonds

Eine erfolgreiche Konsolidierung der öffentlichen Finanzen schafft laut OECD die Rahmenbedingungen für zusätzliche Schritte auf dem Weg zu einem Wachstumspakt. Als mögliche Mittel werden gemeinsame Staatsanleihen zur Finanzierung von Kapitalhilfen für die Banken sowie zusätzliche Mittel der Europäischen Investitionsbank genannt, die in die Finanzierung von Infrastrukturprojekten fließen sollen. Solche Maßnahmen könnten genutzt werden, "um den Weg für eine generellere Auflegung von Eurobonds zu ebnen".

Die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone bleibt nach Einschätzung der OECD deutlich hinter der Weltkonjunktur zurück. Für das laufende Jahr erwartet die Organisation ein Wachstum der Weltwirtschaft um 3,4 Prozent. Für die Eurozone geht sie derzeit von einer leichten Rezession und einem Rückgang um 0,1 Prozent aus.

Deutschland bleibt Wachstumslokomotive

Vor allem Deutschland ist dafür verantwortlich, dass die Prognose nicht noch deutlich schlechter ausfällt. Denn für die Vorhersagen für die deutsche Konjunktur hob die OECD deutlich an. Das Bruttoinlandsprodukt wird demnach in diesem Jahr um 1,2 Prozent und 2013 um weitere 2,0 Prozent wachsen. Dagegen müssen vor allem Griechenland, Spanien, Portugal und Italien in beiden Jahren mit einem deutlichen Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung rechnen. Zumindest im laufenden Jahr müssen sich demnach auch die Niederlande, Tschechien und Ungarn auf eine Rezession einstellen.

Stichwort

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, engl. für "Organanization for Economic Co-Operation and Development") ist die bedeutendste Vereinigung westlicher Industrieländer zur Koordinierung der Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungspolitik. Sie wurde 1961 gegründet und hat derzeit 34 Mitgliedsländer.

Die OECD setzt sich ein für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, für einen höheren Grad an Beschäftigung und für eine Steigerung des Lebensstandards beim Erhalt von Geldwert- und Preisstabilität. Außerdem zählt sie es zu ihren Zielen, den weltweiten Handel zu stärken und wirtschaftliches Wachstum auch in Nichtmitgliedsländern, besonders in Entwicklungsländern, zu unterstützen.

Die Organisation berät die Mitgliedsländer bei wirtschaftlichen Problemen, sie veröffentlicht Berichte zu ihrer wirtschaftlichen Lage und koordiniert die öffentliche Entwicklungshilfe. Die OECD ist auch Veranstalter des weltweit größten Schulleistungstests PISA.

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KOMMENTARE

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Iniquitous 22.05.2012 • 19:30 Uhr

@ b_m

"Irgendwie scheind jeder zu glauben, daß man mit Schulden den Wohlstand aufbessern muß, den man mangels eigener Arbeitsleistung nicht erreicht." Tja da wären wir mal wieder bei dem Thema Leistung und Arbeit. Glauben Sie denn das Ungleichgewicht der Löhne ist an Leistung orientiert oder erzählen Sie mir jetzt das Märchen, dass es sich nach Angebot und Nachfrage richtet. "Wenn die Löhne sinken, sinkt auch die Arbeitslosigkeit, weil man dadurch einen Wettbewerbsvorteil hat. Und mit der richtigen Qualifikation kann man auch genug verdienen." Achso ist das, Korrelation und Kausalität schonmal gehört? Übrigends: Konsumverzicht ist kontraproduktiv. Auch wenn man hier zwischen ökonomisch und ökologisch unterscheiden muss.