Polarlicht über der norwegischen Stadt Tromso

Norwegischer Staatsfonds wird "grün" Kein Geld mehr für die Kohle

Stand: 05.06.2015 17:16 Uhr

Der norwegische Staatsfonds ist der weltweit größte seiner Art - und auch an Dutzenden deutschen Konzernen beteiligt. Nun hat das Parlament in Oslo entschieden, Kohleunternehmen aus dem Portfolio zu verbannen. RWE und E.on müssen zittern.

Das Parlament in Oslo hat beschlossen, dass der norwegische Staatsfonds aus Umweltgründen nicht mehr in die Kohleindustrie investieren darf. Die Anteile an Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihrer Einnahmen mit Kohle erzielen, sollen verkauft werden. Analysten rechnen damit, dass weltweit 50 bis 75 Firmen betroffen sein könnten.

In Deutschland gehören den Norweger unter anderem Aktienpakete der Energiekonzerne E.on und RWE. Ein E.on-Sprecher erklärte, er wisse noch nicht, ob die Skandinavier sich nun zurückziehen müssten. Denn es sei nicht ganz klar, worauf sich die 30-Prozent-Marke beziehe. Bei Umsatz, Betriebsergebnis oder Stromproduktion liege der Konzern unter dieser Schwelle.

Auch bei RWE zeigte man sich unsicher. Bei Umsatz und betrieblichem Ergebnis liege der Anteil der Kohle im Konzern deutlich unter der 30-Prozent-Marke. Bei der Stromerzeugung kämen Braun- und Steinkohle dagegen zusammen auf einen Anteil von 60 Prozent, sagte eine Sprecherin.

Die Milliarden kommen aus der Öl- und Gasindustrie

Im Osloer Parlamentsgebäude, dem Storting, reagierten zahlreiche Umweltaktivisten mit Jubel auf die Entscheidung. "Das ist der wichtigste Klimabeschluss, den das Storting je gefasst hat", sagte Nina Jensen vom norwegischen WWF.

Der staatliche Pensionsfonds speist sich aus den Einnahmen der heimischen Öl- und Gasindustrie und soll den Wohlstand für zukünftige Generationen sichern. Mit seinem Marktwert von mehr als 7000 Milliarden norwegischen Kronen (800 Milliarden Euro) ist er der größte Fonds seiner Art auf der Welt.

Damit das so bleibt, investiert der Fonds in Unternehmen in der ganzen Welt. Dabei müssen aber bestimmte ethische Richtlinien befolgt werden. Tabu sind Betriebe, die die Menschenrechte verletzen, Waffen oder Tabak herstellen, Kinder für sich arbeiten lassen oder die Umwelt massiv schädigen. Laut Daten von Mitte 2014 hielt der Fonds Anteile sämtlicher Dax-Konzerne.

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KOMMENTARE

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Pandora0611 06.06.2015 • 01:30 Uhr

E.on und RWE zittern

Norwegen will aus der Kohle aussteigen. Das ist gut für das Klima. Ebenfalls ist Waffenhandel und Kinderarbeit ein Tabu. Das ist lobenswert. Aber es fließt immer noch Geld in die Erdölgewinnung und das ist schädlich für die Natur.