Ein Elektroauto beim Tanken | dpa

Staatliche Förderung wirkt Norweger kaufen mehr E-Autos als Verbrenner

Stand: 05.01.2021 14:14 Uhr

In Norwegen wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr Elektroautos als PKW mit Benzin- oder Dieselmotor verkauft. Vom Elektroboom im hohen Norden profitieren nicht zuletzt deutsche Hersteller.

Norwegen ist das weltweit erste Land mit einer Elektroauto-Quote von über 50 Prozent. Das ergibt sich aus den Zulassungszahlen, die der so genannte Informationsrat für Straßenverkehr in Oslo am Dienstag veröffentlicht hat.

Demnach hatten 54,3 Prozent aller neu angemeldeten Pkw einen elektrischen Antrieb. 2019 hatte dieser Anteil 42,4 Prozent erreicht. Volkswagen, der japanische Hersteller Nissan und der US-Elektroauto-Hersteller Tesla liegen in der Rangliste vorn. Die vier meistverkauften Modelle waren der Audi e-tron, das Model 3 von Tesla, der Volkswagen ID.3 und der Nissan Leaf. Bei allen Fahrzeugen handelt es sich um reine E-Autos. Auch der meistverkaufte Hybrid-Wagen kommt aus dem VW-Konzern. Der Golf in der Hybrid-Version belegt Platz 5.

Staatliche Anreize sorgen für Umschwung

Die Vorreiterrolle Norwegens in Sachen E-Mobilität ist vor allem im Willen des Staates begründet, den Ausstieg aus dem Verbrenner-Zeitalter möglichst schnell zu schaffen. Die Regierung gab bereits im Jahr 2016 das Ziel aus, den Verkauf von PKW und leichten Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2025 auf Null herunterzufahren.

Dazu hat das Land, das selbst vom Verkauf von Öl aus der Nordsee einen großen Teil seiner Einnahmen erzielt, einige Weichen gestellt. So sind E-Autos in Norwegen fast komplett von der Steuer befreit, so dass sie bei den Kosten mit Diesel und Benzinern mithalten können. Dazu gehört auch die Steuer beim Kauf eines Verbrenners, die umgerechnet je nach Größe und Gewicht eines Fahrzeuges bis zu 10.000 Euro betragen kann. Der für die E-Autos nötige Strom wird in Norwegen fast ausschließlich mit Wasserkraft erzeugt.

Deutschland hinkt deutlich hinterher

Dazu erhalten Fahrer von Elektroautos eine Reihe von Bevorzugungen im Verkehr. Sie dürfen zum Teil kostenlos auf städtischen Parkplätzen parken und Busspuren nutzen. Zudem fahren sie auf Fähren kostenlos mit und müssen auch keine Mautgebühren zahlen.

Von E-Auto-Quoten wie in dem skandinavischen Land ist Deutschland noch weit entfernt. Auch hierzulande wächst der Anteil von reinen E-Autos und Fahrzeugen mit Hybrid-Motors schnell, aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach Angaben des Center of Automotive Management (CAM) lag der Anteil bei Neuzulassungen im vergangenen Jahr bei 12,6 Prozent. Nur knapp die Hälfte der geschätzt 360.000 verkauften E-Autos waren Fahrzeuge mit reinem Elektronantrieb. Eine aktuelle CAM-Studie prognostiziert einen Anteil der Neuzulassungen von 27 Prozent im Jahr 2025 in Deutschland. In dem Jahr soll in Norwegen bereits kein Benzin- oder Dieselfahrzeug mehr erhältlich sein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Januar 2021 um 12:16 Uhr.