Arbeiter winken, nachdem sie das letzte Rohr der beiden Stränge der Nord Stream 2-Pipeline verschweissŸt haben. | dpa

Bauarbeiten vor dem Abschluss Letztes Rohr für Nord Stream 2 verschweißt

Stand: 06.09.2021 16:16 Uhr

Der Bau der umstrittenen Nord Stream 2 nähert sich dem Ende - am Meeresboden müssen noch die letzten Rohre verbunden werden. Dann könnte noch in diesem Jahr erstes Gas aus Russland über die Pipeline geliefert werden.

Die Bauarbeiten an der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 stehen kurz vor dem Abschluss. Die Betreiberfirma Nord Stream 2 AG teilte mit, dass das letzte Rohr verschweißt wurde und im nächsten Schritt mit dem bereits im Meer befindlichen Teil der Gasleitung verbunden werden soll.

Wie der NDR berichtet, wurde das letzte Rohrsegment zudem bereits auf dem Meeresboden verlegt. Das Verlegeschiff "Fortuna" habe es 40 Kilometer östlich von der Insel Rügen in die Ostsee herabgesenkt. Nach dem Ende der Schweißarbeiten sollen die Leitungen demnach noch mithilfe von Robotern geputzt werden, zudem seien mehrere Funktionstests geplant.

Noch 2021 soll erstes Gas geliefert werden

Noch in diesem Jahr - voraussichtlich im Oktober - soll über die rund 1200 Kilometer lange Pipeline erstmals Gas von Russland nach Deutschland transportiert werden. Gazprom plant laut NDR, noch in diesem Jahr mehr als fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die neue Pipeline nach Europa liefern zu können. Dafür wird wohl zunächst der Strang genutzt, der schon im Juni fertiggestellt wurde.

Mit dem Bau der Nord Stream 2 war 2018 begonnen worden - mit dem Ziel, die Pipeline bereits im darauffolgenden Jahr fertigzustellen. Mehr als zehn Milliarden Euro flossen in das Projekt, durch das künftig pro Jahr rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland transportiert werden sollen. Damit könnten nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Jahrelanger Streit mit den USA

Doch schon vor Baubeginn war die zweite Pipeline, die parallel zu den ersten beiden seit 2011 betriebenen Nord-Stream-Strängen verläuft, heftig umstritten.

Noch im Januar hatte die damalige US-Regierung unter Präsident Donald Trump erstmals Sanktionen gegen das russische Unternehmen KVT-RUS verhängt, zu dem die "Fortuna" gehört. Die USA begründeten den Schritt mit der Sorge, Russland könne "natürliche Ressourcen als Mittel für politischen Druck und bösartigen Einfluss gegen Westeuropa nutzen".

Auch die nachfolgende Regierung unter US-Präsident Joe Biden teilte die Bedenken, dass die Gaslieferungen zum politischen Druckmittel werden könnten. Erst im Juli konnten Deutschland und die USA in dem Streit eine Einigung erzielen: Die US-Regierung verzichtet auf weitere Sanktionen. Sollte die russische Regierung "Energie als Waffe nutzen", würden aber sowohl die USA als auch die Bundesrepublik mit Strafmaßnahmen reagieren.

Ukraine fürchtet um Status als Transitland

Doch auch innerhalb Europas ist Nord Stream 2 ein Streitthema. Die Ukraine etwa fürchtet, dass ihr dadurch wichtige Einnahmen wegfallen, da es künftig kein Transitland für die Gaslieferungen mehr ist. Erst im Juli hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zugesichert, dass sich Deutschland dafür einsetzen werde, dass die Ukraine auch in Zukunft Transitland bleibt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. September 2021 um 15:30 Uhr.