Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson | Bildquelle: Nobel Media. Ill. Niklas Elmehed.

Nobelpreis für Auktionsforscher Mehr als eBay und Sotheby's

Stand: 12.10.2020 16:55 Uhr

Für die Optimierung von Auktionen bekommen die US-Forscher Milgrom und Wilson den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Was genau besagt ihre Forschung?

Wer heute an Auktionen denkt, dem kommt wahrscheinlich zweierlei in den Sinn: einerseits altehrwürdige Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's - und andererseits eBay. Doch Auktionen sind längst mehr als Kunst, die per Hammerschlag an den Meistbietenden verkauft wird - mehr als "drei - zwei - eins - meins" im Internet.

Allein an den Börsen werden heute unzählige Produkte in Auktionen gehandelt. Elektrizität, Lebensmittel, Verschmutzungsrechte - eine gängige Verkaufsform ist die einer Auktion. Die diesjährigen Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften haben jahrzehntelang zur Theorie der Auktion und zu neuen Auktionsformaten geforscht.

Nobelpreis für Wirtschaft ehrt US-Forscher für Auktionstheorie
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2020, Christian Stichler, ARD Stockholm

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Zwei Arten von Werten und der "Fluch des Gewinners"

Die Wirtschaftswissenschaft geht davon aus, dass es zwei Arten von Werten gibt, die bei Auktionen versteigert werden können. Da sind zunächst rein private Werte, wie sie beispielsweise bei eBay oder eben Christie's versteigert werden. Diese privaten Werte haben die Eigenschaft, dass sie subjektiv von Käufern und Verkäufern eingeschätzt werden: Während der eine Unsummen in eine teure Uhr zu investieren bereit ist, steckt der andere sein Geld lieber in einen Flug zum Mond.

Im Gegensatz dazu stehen die allgemeinen Werte: Hier geht die Wissenschaft davon aus, dass sie für alle Käufer und Verkäufer gleich hoch sind. Allerdings spielen hier neue Faktoren eine Rolle: Möglicherweise haben nicht alle Bieter, die an einer Auktion teilnehmen, dieselben Informationen über den tatsächlichen Geldwert der zu versteigernden Ware. Wenn nun ein Auktionsteilnehmer mehr als den Geldwert bietet, mag er zwar die Auktion für sich entscheiden; er hat die Ware aber überteuert gekauft. Das nennt man den "Fluch des Gewinners".

Robert Wilson war der Erste, der zu diesem Problem eine wissenschaftliche Theorie entwickelt hat. Er hat beschrieben, wie sich Auktionsteilnehmer in solch einem Fall verhalten und was die optimale Strategie in solch einer Auktion ist: Laut Wilson bieten potenzielle Käufer desto weniger, je unsicherer sie sich über den tatsächlichen Wert einer Ware sind. Dadurch wird der Erlös, der bei solch einer Auktion erzielt wird, niedriger. Zudem sorgt die Angst vor dem "Fluch des Gewinners" dafür, dass sich Bieter, die weniger Informationen über den tatsächlichen Wert der angebotenen Ware haben, schneller zurückziehen. Wer also mehr Informationen hat, hat größere Chancen, etwas zu einem angemessenen Preis zu ersteigern.

"Gemischte" Auktionen am häufigsten

Meist aber vermischen sich bei Auktionen der allgemeine und private Wert. Wer beispielsweise ein Haus ersteigern will, lässt sich einerseits von seinen Präferenzen leiten ("Gefällt mir das Haus? Die Lage? Der Garten?"), wird sich andererseits aber auch die Frage stellen, wie der allgemeine Wert sich entwickelt (Wiederverkaufswert? Wertsteigerung?). Hier das Bieterverhalten zu analysieren, ist umso komplizierter.

Hierzu hat Paul Milgrom geforscht und sich in diesem Zusammenhang auch mit unterschiedlichen Auktionsformaten auseinandergesetzt. Er hat herausgefunden, wie man auch in komplizierten Auktionen das Risiko, Opfer des "Fluchs des Gewinners" zu werden, minimieren kann. Eine Möglichkeit besteht im Eingreifen des Verkäufers: Je mehr Informationen er den potenziellen Käufern über den tatsächlichen Wert der Ware zur Verfügung stellt, desto kleiner die Angst der Käufer, Opfer des "Fluchs des Gewinners" zu werden - und desto höher am Ende der Verkaufspreis.

Der bekannteste wissenschaftliche Beitrag der beiden Forscher ist ein Auktionsmodell, das erstmals in den 1990er-Jahren bei der Versteigerung von US-Radiofrequenzen an Telekommunikationsunternehmen zur Anwendung kam, nachdem andere Vergabemodelle wie Verkäufe oder Verlosungen zuvor gescheitert waren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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