Eine Friseurin schneidet Haare. | dpa

Zahlen der Bundesregierung Friseurbranche kämpft mit Niedriglöhnen

Stand: 30.04.2021 10:43 Uhr

Geringverdiener sind von der Corona-Krise oft stark getroffen. Friseurinnen und Friseure leiden besonders an zu knappen Löhnen. Aber auch andere Branchen am unteren Rand der Einkommensskala müssen kämpfen.

Fast jeder fünfte Beschäftigte mit einer Vollbeschäftigung in Deutschland arbeitet für einen zu niedrigen Lohn. Besonders hoch sei der Niedriglohnanteil mit 92 Prozent bei den Friseurinnen und Friseuren, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zum Tag der Arbeit zeigt. Die Antwort liegt Nachrichtenagentur dpa vor. Das betraf zuletzt fast 50.000 Menschen. Im Friseurgewerbe lag das mittlere Einkommen zuletzt bei 1680 Euro brutto im Monat.

Auch andere Branchen sind betroffen

Als Bezieher von Niedriglohn gilt man, wenn man bei einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung weniger als zwei Drittel des mittleren Entgelts aller bekommt. Das waren zuletzt 18,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten oder knapp vier Millionen - die Schwelle lag zuletzt bei 2267 Euro, wie die Antwort der Bundesregierung ergab. Im Westen lag der Anteil bei 16,3 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es noch 16,5 Prozent. Im Osten war mit 30,4 Prozent fast jeder Dritte zu Niedriglöhnen beschäftigt - vor fünf Jahren bei 37,3 Prozent.

Auch in der Floristik arbeiten 85 Prozent aller regulär Vollzeitbeschäftigten zu niedrigen Löhnen. Ebenso in der Kosmetik und bei den Berufskraftfahrern im Personentransport - dort sind es jeweils 78 Prozent.

Am oberen Rand der Einkommensskala hingegen bewegen sich die mittleren Entgelte teils deutlich oberhalb von 6000 Euro - etwa bei Juristen mit guten Jobs in der Rechtsberatung oder Rechtsprechung.

"Kurzarbeitergeld für viele zu niedrig"

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, forderte mehr Anstrengungen gegen niedrige Löhne. Der Mindestlohn habe bisher wenig daran geändert, dass Millionen Beschäftigte mit niedrigsten Löhnen abgespeist würden. "In der Corona-Krise werden nun ausgerechnet die Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen am härtesten von den Lockdowns getroffen." Vorrangig müsse die Krisenabsicherung deutlich verbessert werden. "Das Kurzarbeitergeld ist für viele Beschäftigte zu niedrig, um davon leben zu können", sagte Zimmermann. Ebenso sprach sie sich für eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und Mindestlohns auf 12 Euro aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2021 um 06:30 Uhr.