Joachim Nagel und Jens Weidmann | picture alliance/dpa

Nachfolger von Weidmann Nagel soll neuer Bundesbankpräsident werden

Stand: 20.12.2021 10:58 Uhr

Der Volkswirt Joachim Nagel soll neuer Präsident der Bundesbank werden. Das teilte Bundesfinanzminister Lindner mit. Nagel folgt auf Weidmann, der auf eigenen Wunsch vorzeitig sein Amt niederlegt.

Das frühere Bundesbankvorstandsmitglied Joachim Nagel soll Jens Weidmann an der Spitze der deutschen Zentralbank ablösen. Das teilte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) mit. Er und Bundeskanzler Olaf Scholz "schlagen Joachim Nagel als neuen Präsidenten der Bundesbank vor", schrieb Lindner auf Twitter. 

Lindner lobt Nagel als "erfahrene Persönlichkeit"

Lindner betonte, angesichts von Inflationsrisiken wachse derzeit die Bedeutung einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Nagel sei "eine erfahrene Persönlichkeit, die die Kontinuität der Bundesbank sichert".

Das Kabinett tagt am Mittwoch das letzte Mal vor Weihnachten. Ob die Personalie dann auf der Tagesordnung stehen wird, war zunächst offen. Zuvor hatten das "Handelsblatt" und der "Spiegel" über die Personalie berichtet. Die Besetzung muss vom Kabinett noch endgültig beschlossen werden.

Ökonomen loben Entscheidung für Nagel

Führende Ökonomen lobten die Berufung Nagels. "Joachim Nagel ist ein sehr guter Ökonom und ein kluger Kopf, der Deutschland hervorragend repräsentieren und seine Stimme in die EZB einbringen wird", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Er bringe viele wichtige Erfahrungen mit. "Vor allem seine Arbeit zur Rolle von Finanzmärkten und Finanzstabilität wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen", sagte Fratzscher, der selbst als möglicher Kandidat für die Weidmann-Nachfolge gehandelt wurde.

Auch Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befürwortete die Personalentscheidung. Nagel verfüge "über eine umfassende geldpolitische und finanzielle Expertise, die für die komplexen geldpolitischen Entscheidungen heutzutage unabdingbar ist." Es sei Nagel zuzutrauen, dass er weiterhin die Bundesbanktradition in die Debatten im EZB-Rat tragen wird, ohne dabei ideologisch fixiert zu sein.

"Hoffnungen in Südeuropa, dass nun auch die Bundesbank sich unkritisch für unbegrenzte Anleihekäufe einsetzen könnte, sind damit erledigt", sagte Heinemann. Der Bundesbankchef gehört automatisch dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), der über den geldpolitischen Kurs der Währungshüter mitentscheidet.

Weidmann legt Amt "aus persönlichen Gründen" nieder

Der scheidende Bundesbankpräsident Weidmann legt sein Amt zum Jahresende auf eigenen Wunsch nieder. Er hatte im Oktober angekündigt, er gehe zum Jahresende "aus persönlichen Gründen". Weidmann hatte das Zepter bei der Bundesbank 2011 übernommen. Eigentlich wäre sein Mandat bis 2027 gelaufen.

In der Vergangenheit hatte sich Weidmann, ehemals Wirtschaftsberater der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel, immer wieder kritisch zur seit Jahren ultralockeren Geldpolitik der EZB geäußert. Vor allem milliardenschwere Anleihenkäufe sah er mit Skepsis und warnte, die Notenbank dürfe Regierung nicht vom billigen Zentralbankgeld abhängig machen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.