Logo des Streamingsdienstes Netflix | AFP

Streamingdienste Netflix startet Billig-Abo mit Werbung

Stand: 14.10.2022 08:59 Uhr

Im Kampf der Streamingdienste um Abonnenten geht nun auch Netflix den Schritt zu einem Angebot mit Werbung. Anders als beim Konkurrenten Disney soll es günstiger sein als der bisherige Basistarif.

Ab dem 3. November bietet der Streamingdienst Netflix eine Version des Dienstes mit Werbeanzeigen an. Es soll günstiger sein als das bisherige Basis-Abo. In Deutschland werde der Dienst mit Werbung 4,99 Euro im Monat kosten, kündigte Top-Manager Greg Peters an. Das Modell mit Anzeigen wird zunächst in zwölf Ländern eingeführt, darunter auch Frankreich, Großbritannien und die USA.

Begrenzteres Angebot

Zunächst sollen die Werbespots 15 oder 30 Sekunden lang sein und während der Serien und Filme oder davor laufen. Die Kunden müssten sich durchschnittlich auf vier bis fünf Minuten Werbung pro Stunde einstellen. "Eine begrenzte Anzahl von Filmen und Serien wird aus Lizenzgründen nicht verfügbar sein, aber wir arbeiten daran", teilte der Streamingdienst mit. Hintergrund ist, dass Netflix zwar über Eigenproduktion frei verfügen kann, bei anderen Urhebern lizenzierte Inhalte aber zum Teil nicht für Werbemodelle freigegeben sind.

Bei der Version mit Werbung gibt es auch keine Download-Funktion. Das Abo könne jederzeit geändert oder gekündigt werden. Auf die bisherigen Abos habe das neue Modell keine Auswirkungen, betonte Peters. "Das Basis-Abo mit Werbung ergänzt unsere bestehenden werbefreien Basis-, Standard- und Premium-Abostufen." Bisher gibt es bei Netflix keine Werbespots. Der bisherige werbefreie Basistarif kostet 7,99 Euro pro Monat. Für den Standardtarif sind monatlich 12,99 Euro fällig. Das Premium-Abo kostet 17,99 Euro.

Disney traut sich mehr

Netflix agiert damit vorsichtiger als der Streaming-Rivale Disney. Der Konzern wählte für die anstehenden Version seines Streamingdienstes Disney+ mit Werbung ein aggressiveres Preismodell. Für den bisherigen Preis des günstigsten Tarifs ohne Werbung soll es nach bisherigen Ankündigungen nur die Version mit Anzeigen geben. Wer Disney+ weiter ohne Werbung sehen will, soll nach dem Start der Anzeigen-Version im Dezember mehr bezahlen.

Disney hatte zur Jahresmitte Netflix bei der Gesamtzahl der Streaming-Abos eingeholt. Allerdings profitiert der Unterhaltungskonzern bei der Rechnung auch von Bündelangeboten aus seinen drei Streaming-Diensten Disney+, Hulu und ESPN, bei denen jedes Abo einzeln gezählt wird.

Die Streamingdienste reagieren mit den Werbe-Versionen auf die wachsende Konkurrenz bei gleichzeitig sinkender Konsumlaune der Verbraucher. Der Konkurrent Amazon beispielsweise ist in Deutschland mit dem werbefinanzierten Angebot Freevee am Start. Filme und Serien werden dort ohne zusätzliche Kosten, aber mit Werbeunterbrechungen gezeigt. Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland das dritte Land, in dem Amazon das Angebot platziert hat.

Bei Smartphone und Streaming wird nicht gespart

Allerdings zeigt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte, dass zumindest deutsche Verbraucher bei Streaming, Smartphone und Internet nicht sparen wollen. Die Hälfte der befragten Konsumenten plant Ausgaben auf Vorjahreshöhe. "Für das gewünschte Endgerät würden sogar 36 Prozent mehr ausgeben als noch 2021", teilte Deloitte mit. Nur 14 Prozent wollten ihre Ausgaben für Geräte senken.

Trotz Inflation und Wirtschaftseinbruchs gebe es bei digitalen Konsumgütern kein Anzeichen für Konsumverzicht: Die Branche könne weiterhin mit stabilen Umsätzen rechnen, sagte Deloitte-Branchenexperte Tim Bottke. Denn die meisten Befragten wollen das Budget für Medien-Abos nicht reduzieren.

Der Nutzeranteil kostenpflichtiger Dienste sei im Vergleich zum Vorjahr von 61 auf 65 Prozent gestiegen, der Zuwachs der Abos hierzulande habe "noch nicht seinen Scheitelpunkt überschritten", heißt es in der Studie. "In Deutschland können sich 31 Prozent der Befragten den Einstieg ins Streamen mit Werbeunterbrechung vorstellen, wobei die Bereitschaft in den jüngeren Alterssegmenten besonders hoch ist."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Oktober 2022 um 06:41 Uhr.