Neckermann-Paket

Umbau zum reinen Online-Händler Neckermann streicht jede zweite Stelle

Stand: 27.04.2012 15:22 Uhr

Der Versandhändler Neckermann plant einen drastischen Personalabbau. In Deutschland soll von den zuletzt 2500 Stellen mehr als jede zweite wegfallen. Allein von der Schließung des Logistikzentrums in Frankfurt seien 800 Arbeitsplätze betroffen, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt will Neckermann 1380 Jobs streichen, vor allem am Stammsitz in Frankfurt.

"Die Mitarbeiter sind geschockt und fassungslos", sagte Betriebsrat Thomas Schmidt. Die Dimension des Stellenabbaus habe alle überrascht. "Das ist eine soziale Katastrophe, ein Kahlschlag", erklärte Wolfgang Thurner von der Gewerkschaft ver.di, der dem Aufsichtsrat des Unternehmens angehört. Es sei noch offen, wie der Stellenabbau sozial abgefedert werden könne. Seinen Angaben zufolge will das Unternehmen in der kommenden Woche Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufnehmen.

Umbau zum reinen Online-Händler

Als Grund für die Stellenstreichungen nannte Neckermann den Umbau des Versandhauses zu einem reinen Online-Händler. "Die Zukunft des Versandhandels liegt im Internet. Dieser Entwicklung können wir uns nicht verschließen", erklärte Neckermann-Chef Henning Koopmann. Das Unternehmen bezifferte das Wachstum seiner Online-Geschäfte auf 19 Prozent im vergangenen Jahr und weitere 30 Prozent allein im ersten Quartal 2012.

Schriftzug des Handelsunternehmens Neckermann

Neckermann will sich ganz auf den Online-Handel konzentrieren.

Zeitgleich sei das klassische Kataloggeschäft in den ersten drei Monaten des Jahres um etwa 50 Prozent eingebrochen. Im Zuge der Entwicklung will Neckermann nach dem Hauptkatalog nun auch alle weiteren Kataloge einstellen und seinen Kunden online ansprechen.

Online-Geschäft seit Jahren stark ausgebaut

Neckermann ist neben Deutschland in neun weiteren europäischen Ländern aktiv und beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 4000 Mitarbeiter. In den 1990er-Jahren startete der Konzern als eines der ersten Versandhäuser in Deutschland ein Online-Angebot. Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen nach eigener Darstellung etwa 80 Prozent des Umsatzes über das Internet. Fast 90 Prozent der Neukunden kommen online zu Neckermann. Das klassische Geschäft auf Basis des traditionellen Versandhauskatalogs spielt schon seit einigen Jahren keine große Rolle mehr.

Der 1950 gegründete Versandhändler Neckermann gehörte einst zum Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Nach dessen Pleite wurde das Unternehmen vom US-Investor Sun Capital komplett übernommen.

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KOMMENTARE

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Cebulon 27.04.2012 • 21:22 Uhr

@ tollschock

Ich denke, dass Sie die "Verprügelt-die-unfähigen-Manager" -Keule wieder wegstecken können. Dass sich der Handel mehr und mehr ins Internet verlegt, war abzusehen. Mit steigenden Internet-Umsätzen hätte man lediglich das Personal früher in "gesundem" Maß abbauen müssen. Vielleicht hat Neckermann sich ja auch nur gesträubt, Leute zu entlassen und wird jetzt brutal von den "Modern Times" eingeholt. Die Firma ist keineswegs zu Tode gewirtschaftet, lediglich die Art und Weise des Verkaufs hat sich geändert. Dass das Internet Arbeitsplätze schafft, ist unbestritten .... ebenso wie die Tatsache, dass irgendwo natürlich auch bedauerlicherweise Jobs wegfallen. In diesem Fall wäre ich also noch etwas gnädig mit den Managern.