Zweitjobs werden Alltag Immer mehr Minijobber

Stand: 24.03.2014 11:18 Uhr

Die Bandbreite ist groß - sie reicht vom Gering- bis zum Gutverdiener: Insgesamt mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland haben inzwischen einen Zweitjob, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im vergangenen Jahr wurde damit ein Rekordwert erreicht. Das entspricht einer Verdreifachung seit der Wiedervereinigung, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf IAB-Daten.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg seien Vergünstigungen für Nebenjobs, die die Politik im Zuge der Hartz-Reformen beschlossen habe, sagte IAB-Forscher Enzo Weber der Zeitung. So müssen Beschäftigte, die neben ihrem Hauptberuf einen sogenannten Minijob ausüben, seit 2003 für diesen Nebenjob keine Sozialabgaben mehr bezahlen.

Kassiererin | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Ein paar Stunden im Supermarkt arbeiten - nicht nur der Einzelhandel setzt stark auf Minijobber.

Auch Gutverdiener profitieren

Eine solche "Subvention eines zweiten Jobs ist schwer nachvollziehbar", kritisierte Weber. Entlastet würden nicht nur Geringverdiener, die aus finanziellen Gründen zwei Jobs übernehmen müssen. Von der Regelung profitierten auch Gutverdiener mit einer Nebentätigkeit, wenngleich die Gehälter für Minijobs in aller Regel sehr niedrig sind. Aber sie sind eben steuerfrei.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hatten zuletzt elf Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen zusätzlich einen Minijob. Bei den Männern waren es demnach sieben Prozent.

In vielen Branchen besteht ein Großteil der Beschäftigten mittlerweile aus Minijobbern: Im Gesundheits- und Sozialwesen sind 760.000 geringfügig Beschäftigte tätig, im Gastgewerbe 870.000 und im Einzelhandel 970.000. Ohne die subventionierten und schlecht bezahlten Minijobs würden diese Branchen nicht mehr funktionieren.

Darstellung: