Kanadas Premierminister Trudeau und US-Präsident Trump | Bildquelle: AFP

Kanada will verhandeln NAFTA-Neuauflage wird wahrscheinlicher

Stand: 29.08.2018 04:34 Uhr

Eine Neuauflage des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA wird immer wahrscheinlicher. Nach Mexiko und den USA könnte nun auch Kanada aufspringen. Ein Streitpunkt ist allerdings noch nicht geklärt.

Das Pokerspiel um ein neues nordamerikanisches Freihandelsabkommen geht heute in Washington in eine neue Runde. Nachdem die USA und Mexiko mit Kanada den dritten Partner im bisherigen NAFTA-Abkommen unter Zugzwang gesetzt hatten, äußerten sich kanadische Vertreter optimistisch.

Mexikos Bemühungen hätten für Kanada "den Weg freigemacht für bedeutende, substanzielle und produktive Gespräche mit den USA", sagte die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland nach einem Treffen mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Washington. "Detaillierte" Gespräche mit dem Ziel, eine weitere Drei-Länder-Vereinbarung zu erreichen, würden heute beginnen.

Ein Deal am Ende der Woche?

US-Finanzminister Steven Mnuchin machte in einem Interview mit dem Sender CNBC noch einmal das Interesse der USA deutlich. Präsident Donald Trump wolle Vereinbarungen mit Mexiko und mit Kanada - möglichst in ein- und demselben Abkommen. Ein Deal sei noch in dieser Woche möglich.

Die Volkswirtschaften Kanadas und der USA seien sehr stark miteinander vernetzt, sagte Mnuchin. "Es ist für sie wichtig, eine Einigung zu erreichen. Und es ist für uns wichtig, eine Einigung zu erreichen".

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hatte zuvor vor Journalisten gesagt, er werde nur ein Abkommen unterzeichnen, das gut für Kanada sei. "Wir werden uns in positiver Weise engagieren und freuen uns, letztlich ein Abkommen zu unterzeichnen, so lange dieses gut für Kanada und gut für die kanadische Mittelschicht ist", sagte Trudeau.

Ein Streitpunkt ist weiterhin die Agrarwirtschaft. Kanada schützt seine Milchbauern derzeit mit hohen Zöllen. "Meine Position, wenn es um Versorgungsketten geht, hat sich nicht verändert", sagte Trudeau mit Blick auf die Milchindustrie seines Landes.

Ohne Abkommen kommen hohe Autozölle

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow erneuerte die zuvor erhobene Drohung Trumps, in Kanada produzierte Autos könnten mit hohen Einfuhrzöllen belegt werden, wenn es nicht zu einer Einigung komme. Das Abkommen mit drei Partnern aufrechtzuerhalten, ist der erklärte Wunsch Mexikos.

Präsident Enrique Pena Nieto schrieb auf Twitter, es gehe darum, dass bei NAFTA alle gewinnen müssten.

Das 1994 abgeschlossene nordamerikanische Handelsabkommen NAFTA ist eines der größten Freihandelsabkommen der Welt. Es betrifft fast 500 Millionen Menschen und deckt ein Gebiet mit einer Gesamtwirtschaftsleistung von knapp 23 Billionen Dollar ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2018 um 06:00 Uhr.

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