Elon Musk | Bildquelle: AFP

Tweet zu Tesla-Rückkauf US-Börsenaufsicht verklagt Elon Musk

Stand: 28.09.2018 09:13 Uhr

Tesla-Chef Musk droht neuer Ärger: Die US-Börsenaufsicht hat den Tech-Milliardär wegen Wertpapierbetrugs verklagt. Hintergrund ist Musks Ankündigung, Tesla von der Börse nehmen zu wollen - was aber nie passierte.

Eine Mitteilung von Tesla-Gründer Elon Musk zum angeblich geplanten Börsenrückzug des Autobauers hat ein juristisches Nachspiel: Die amerikanische Börsenaufsicht SEC verklagt den Chef des E-Auto-Herstellers vor dem Bundesgericht in Manhattan wegen Wertpapierbetrugs und irreführender Angaben. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor. Die Tesla-Aktie brach nachbörslich um mehr als zehn Prozent ein.

Musk bezeichnete die Klage gegenüber dem US-Sender CNBC als ungerechtfertigt, das Vorgehen der SEC mache ihn "tieftraurig und enttäuscht". Er habe im Sinne von Wahrheit und Transparenz stets im besten Interesse der Anleger gehandelt.

Auch Justizministerium prüft Fall

Musk hatte am 7. August auf Twitter erklärt, das Unternehmen für 72 Milliarden US-Dollar von der Börse nehmen zu wollen. Die Finanzierung dafür sei gesichert, so Musk damals. Später ruderte er zurück. Musks Ankündigung hatte sofort für Argwohn gesorgt, da sie völlig überraschend kam und für einen Rückkauf sehr viel Kapital erforderlich gewesen wäre, das Tesla nicht hatte. Nach nur gut zwei Wochen wurde das waghalsige Projekt dann - genauso unerwartet wie es angekündigt wurde - wieder abgeblasen.

Wegen des Verdachts auf Marktmanipulation folgten Sammelklagen von Investoren und Ermittlungen der SEC. Laut US-Medienberichten prüft auch das Justizministerium den Fall.

Die SEC beschuldigt Musk, Teslas Aktionäre "wissentlich oder bewusst" in die Irre geführt zu haben. Während er öffentlich behauptete, einen Deal für einen Börsenabgang in der Tasche zu haben, sei ein solches Vorhaben in Wirklichkeit noch nicht einmal mit potenziellen Geldgebern diskutiert worden.

Trotz der allgemeinen Irritation über seine Aussagen habe Musk sich erst deutlich später ausführlicher im Firmenblog geäußert und auch dort keine Klarheit über die Finanzierungsfrage geschaffen.

Tesla-Chef Elon Musk präsentiert den neuen Roadstar | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die SEC beschuldigt Musk, die Aktionäre in die Irre geführt zu haben.

Angeblich genug Geld für Rückzug da

Die Aufseher fordern in der Klage harte Konsequenzen - sie wollen Musk unter anderem richterlich verbieten lassen, weiter börsennotierte Unternehmen zu führen. Musk hielt zwar bis zuletzt an seiner Behauptung fest, dass "mehr als genug" Finanzmittel vorhanden gewesen wären, um Tesla von der Börse zu nehmen. Eine Antwort darauf, wo das Geld hätte herkommen sollen, blieb er aber schuldig.

Um den Eindruck zu zerstreuen, der Tweet zum Börsenrückzug sei nur ein Bluff gewesen, hatte Tesla kostspielige Maßnahmen zur Prüfung der Idee ergriffen. So ließ sich die Firma etwa von der Beteiligungsgesellschaft "Silver Lake" und von den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten - bis der Plan Ende August kurzerhand wieder begraben wurde.

Musk hat weitere Probleme am Hals

Auch neben dem Chaos um die Privatisierungspläne von Tesla hat sich Musk zuletzt vom größten Hoffnungsträger zu einer Belastung für seine Firma entwickelt. Der umtriebige Tech-Milliardär, der neben Tesla auch noch die Raketenfirma SpaceX, die Tunnelbohrgesellschaft Boring Company und etliche andere Projekte betreibt, stieß die Finanzwelt in den vergangenen Monaten oft genug mit seinen Eskapaden vor den Kopf.

Erst räumte er in einem emotionalen Zeitungsinterview gesundheitliche Probleme und Schlafmittelkonsum ein, dann rauchte er auch noch vor laufender Kamera einen Joint.

Britischen Taucher als "Pädophilen" bezeichnet

Darüber hinaus brockte sich der Tesla-Chef eine Verleumdungsklage ein durch eine merkwürdige Fehde mit einem britischen Taucher. Dieser hatte im Juli bei der dramatischen Rettung eines thailändischen Fußball-Teams mitgeholfen, das tagelang in einer überschwemmten Höhle eingeschlossen war. Musk hatte den Einsatz eines Mini-U-Bootes vorgeschlagen, das Fahrzeug wurde in kürzester Zeit bei Musks Raumfahrt-Firma SpaceX gebaut und nach Thailand gebracht. Es kam aber nicht zum Einsatz. Der Tech-Milliardär war verärgert darüber, nachdem der Taucher Vernon Unsworth den U-Boot-Vorschlag als PR-Gag kritisiert hatte. Zudem hatte Unsworth gesagt, Musk könne sich "sein U-Boot dahin schieben, wo es weh tut". Musk hatte daraufhin nicht nur die Rolle Unsworths bei der Rettungsaktion angezweifelt, sondern ihn auch ohne irgendwelche Belege als "Pädophilen" bezeichnet. Danach entschuldigte er sich erst, fachte den Streit aber wiederholt mit weiteren Andeutungen an.

Und zu allem Überfluss läuft es auch bei Tesla alles andere als rund: Musk rennen seit Monaten Manager davon, zudem kämpft das Unternehmen mit Produktionsproblemen beim Hoffnungsträger Model 3 - dem ersten günstigeren Tesla für breitere Käuferschichten.

Verhängnisvolle Tweets: US-Börsenaufsicht verklagt Elon Musk
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
28.09.2018 16:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. September 2018 um 13:45 Uhr in der Sendung "Wirtschaft am Mittag".

Darstellung: