Hildegard Müller | Bildquelle: dpa

Branchenverband VDA Müller soll Autolobby lenken

Stand: 27.11.2019 18:49 Uhr

Der wichtigste Lobbyverband der Autoindustrie, VDA, soll künftig von der Ex-CDU-Politikerin Müller geleitet werden. Das berichten mehrere Medien. Die Branche steht wegen der Verkehrswende vor großen Herausforderungen.

Die frühere CDU-Politikerin Hildegard Müller soll neue Chefin des Autoverbands VDA werden. Nach monatelanger Suche hätten sich die führenden Vertreter der Konzerne auf die 52-Jährige geeinigt, hieß es übereinstimmend aus Industrie- und Berliner Koalitionskreisen. Offiziell bestätigt wurde die Personalie nicht, Müller selbst äußerte sich ebenfalls nicht. Der finale Beschluss des VDA-Präsidiums steht auch noch aus, dem Vernehmen nach geht es aber nur noch um Details. Zuvor waren auch Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger als mögliche Kandidaten gehandelt worden.

Bis Oktober war Müller Netzchefin des Energiekonzerns Innogy, der auch einer der größten Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland ist. Davor war sie knapp acht Jahre lang Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Sie gilt nicht nur als gut vernetzt in der Politik, sondern auch als erfahren in der Welt der Verbände. Von 1998 bis 2002 führte sie - als bislang einzige Frau - die Junge Union. Von 2005 an war sie Staatsministerin im Bundeskanzleramt.

Wichtiger Lobbyverband

Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie. Die steht allerdings seit Jahren wegen des Dieselskandals schwer unter Druck. Die Klimadebatte und der angepeilte Umbau des Autoverkehrs in Richtung E-Mobilität bieten ebenfalls viel Stoff für Konflikte.

Streit innerhalb der Branche

Der VDA gilt gemeinhin als schwer zu führender Verband, weil er die verschiedenen Interessen der Hersteller sowie der Zulieferer, darunter viele kleine, unter einen Hut bringen muss. Im Streit um die Zukunftsausrichtung der Branche verlaufen die Gräben aber mitunter auch quer durch die Reihen der Großkonzerne. Im Frühjahr brodelte es heftig zwischen Volkswagen auf der einen und Daimler und BMW auf der anderen Seite. VW-Chef Herbert Diess wollte den Verband wie den Wolfsburger Konzern stärker auf die Förderung reiner Elektroantriebe ausrichten. Daimler und BMW reagierten verschnupft, weil sie mit ihren oft schweren Autos stärker auf gemischte Plug-in-Hybride setzen.

Der Posten des Spitzenlobbyisten der Autoindustrie muss neu besetzt werden, nachdem der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes im September überraschend seinen Rückzug zum Jahresende 2019 angekündigt hatte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2019 um 18:00 Uhr.

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