Ein Mechaniker überprüft die Schaufeln einer Turbine | Bildquelle: dpa

Mittelstandsbericht Mehr investieren, stärker qualifizieren

Stand: 25.04.2018 12:36 Uhr

Wirtschaftsminister Altmaier geht davon aus, dass die Konjunktur in diesem Jahr "schwungvoll" bleibt. Der Mittelstand blickt skeptisch in die Zukunft - wenn sich bei der beruflichen Bildung nichts tut.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben die Bundesregierung dazu aufgerufen, ihr Reformtempo zu erhöhen. Zwar befinde sich die deutsche Wirtschaft zurzeit in einer ausgesprochen guten Verfassung, heißt es im Mittelstandsbericht 2018. Allerdings sehe der Mittelstand "vielfältigen Handlungsbedarf" für die neue Regierung, um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand zu sichern.

Konkret fordern sie, die Investitionen des Staates sowie der Wirtschaft "dringend" auszuweiten. "Verkehrs- und Datennetze müssen verbessert und den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts angepasst werden." Aber auch Steuersätze müssten sinken, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Zu den Unterzeichnern zählen der Handwerksverband ZDH, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Sparkassen- und Giroverband und der Hotel- und Gaststättenverband.

Aus- und Fortbildung stärken

Eines der größten Probleme sei der Mangel an Fachkräften. Für mittelständische Betriebe werde es immer schwieriger, geeignete Arbeits- und Fachkräfte zu finden. Das System der beruflichen Aus- und Fortbildung müsse gestärkt werden, ebenso die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Qualifizierte Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Ländern solle außerdem erleichtern werden.

Der Mittelstand fordert außerdem, die tägliche Höchstarbeitszeit auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umzustellen. "Ziel ist eine flexiblere Verteilung, nicht jedoch eine Ausweitung des Arbeitszeitvolumens." Bei der Infrastruktur gebe es vor allem beim Verkehr seit Jahren einen erheblichen Investitionsstau, der den Mittelstand etwa durch schlechte Straßenbeläge und gesperrte Brücken beeinträchtige.

Robustes Wachstum auch in diesem Jahr

Die Forderungen der Wirtschaft kommen zeitgleich mit der Konjunkturprognose der Bundesregierung. Für das laufende Jahr rechnet sie mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,3 Prozent, für das kommende Jahr mit einem Plus von 2,1 Prozent. Die deutsche Konjunktur bleibe schwungvoll, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Zwar befinde sich die Wirtschaft gesamtwirtschaftlich in einer Überauslastung, eine "Überhitzung" sei jedoch nicht erkennbar, ergänzte der CDU-Politiker.

Im Vergleich zum Jahreswirtschaftsbericht wurde die Prognose für 2018 leicht zurückgefahren. Im Januar hatte die Regierung noch mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet.

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung", heißt es in dem Dokument des Wirtschaftsministeriums. Beschäftigung, Einkommen und damit die Konsummöglichkeiten der Verbraucher "nehmen spürbar zu".

Arbeitslosenquote geht zurück

Die Zahl der Erwerbstätigen soll in diesem Jahr um fast 600.000 steigen, die Arbeitslosenquote von 5,7 auf 5,2 Prozent sinken. "Trotz Fachkräfteengpässen in einzelnen Berufsfeldern und Regionen ist derzeit kein Ende des Aufschwungs absehbar." Risiken für ihre Prognose sieht die Regierung in einem weiteren Aufflammen von Handelshemmnissen, in einer Konjunkturabkühlung in wichtigen Ländern wie China sowie durch geopolitische Ereignisse oder mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Der von US-Präsident Donald Trump kritisierte deutsche Handelsüberschuss wird den Prognosen zufolge bis 2019 sinken. Mit 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fiele der Leistungsbilanzüberschuss dann so gering aus wie zuletzt 2014. Die EU-Kommission sieht allerdings schon Werte von mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an, da Länder mit hohen Überschüssen jenen mit enormen Defiziten gegenüberstehen.

Die Frühjahrsprojektion dient den Steuerschätzern als Vorlage für ihre Hochrechnungen, die im Mai anstehen. Diese wiederum geben den Rahmen für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen vor.

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