Mann in Schutzkleidung beobachtet die Reinigung einer Flugzeugkabine mit UVC-Strahlen | AFP

Entkeimungsanlagen Mit UVC-Strahlen gegen Corona

Stand: 23.12.2020 08:24 Uhr

Seit Langem werden UVC-Strahlen zum Abtöten von Viren und Bakterien eingesetzt. Nun soll die Technik im Kampf gegen Corona helfen. Doch Behörden warnen vor Risiken bei falscher Anwendung.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Desinfektionsgeräte auf Basis von UVC-Strahlen sind derzeit stark gefragt. Der Hersteller Heraeus Noblelight berichtet von einer riesigen Nachfrage. Der Spezialist für Entkeimungsanlagen mit UVC-Licht rüstete unter anderem den Flughafen in Singapur mit einem UVC-System aus. Mit der Stadt Hanau vereinbarte Heraeus vor kurzem eine Kooperation, um Entkeimungsanlagen mit UVC-Licht in Schulen, Kitas und Bussen zu installieren. Mehr als 500.000 Strahler wird das Unternehmen nach eigenen Angaben in diesem Jahr fertigen.

Hanauer Stadtbus mit Heraeus UV-C Luftreiniger

Hanau rüstet seine Stadtbusse mit UV-C-Luftreinigern von Heraeus aus.

Pilotprojekt in Hamburger Supermarkt-Filiale

Auch der Lichttechnik-Hersteller Signify, der einst Philips Lighting hieß, sieht ein großes Potenzial für die Virenkiller mit UVC-Strahlung. Mit der Supermarktkette Edeka führen die Niederländer derzeit ein Pilotprojekt durch. In einer Edeka-Filiale im Hamburger Stadtteil Barmbek desinfizieren 30 an der Decke installierte UVC-Anlagen von Signify die Luft. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, will Edeka das Luftreinigungssystem auch in anderen Märkten einsetzen. Signify rüstet auch Hotels und öffentliche Verkehrsmittel mit mobilen UVC-Leuchten im Kampf gegen Corona aus.

Der Spezialfahrzeughersteller Binz entwickelte zusammen mit den Forschern des Fraunhofer-Instituts für Optronik im thüringischen Ilmenau ein System, das mit UVC-Leuchtdioden den Innenraum eines Krankenwagens komplett viren-, bakterien- und keimfrei macht. Das UVC-System steht vor der Marktreife.

Eine Rolltreppe an einem Bahnhof mit der Aufschrift: "Keimfreier Handlauf durch UV-Licht" | dpa

In Münchner U-Bahnhof Marienplatz werden Handläufe von Rolltreppen mit UVC-Licht entkeimt. Bild: dpa

Keimfreie Rolltreppe in München

Die Stadt München testet keimfreie Rolltreppen am zentralen U-Bahnhof Marienplatz. Verschlossene, im Rücklauf der Rolltreppe eingebaute Module bestrahlen den Handlauf mit UVC-Licht. Die Strahlen zerstören die DNA der Mikroorganismen. Der Handlauf wird so innerhalb von wenigen Sekunden viren- und keimfrei.

Der Markt für UVC-Desinfektionsanlagen dürfte in den nächsten Jahren rasant wachsen. Aktuell beträgt das Marktvolumen laut der Beratungsfirma Allied Market Research rund eine Milliarde Euro. Bis 2027 dürfte es sich mehr als vervierfachen.

Eine alte Technik wird neu entdeckt

Dabei ist die Technik schon sehr alt. Seit Jahrzehnten wird sie vor allem in Operationssälen in Krankenhäusern, in der Lebensmittelindustrie und in der Trinkwasseraufbereitung verwendet. Vor allem UV-Quecksilberdampflampen werden hierfür genutzt.

Dass diese Technik auch gegen Sars-CoV-2 hilft, belegen Studien. Die Wissenschaftler der Boston University fanden heraus, dass die Coronaviren zu 99 Prozent zerstört werden, wenn sie einer Strahlung ausgesetzt sind. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt, dass mit UVC-Strahlen Bakterien und Viren abgetötet werden können. UVC-Licht ist UV-Licht mit dem kürzesten Wellenbereich von 280 bis 100 Nanometer.

Behörde warnt vor Augenschäden

Allerdings ist das UVC-Licht auch gefährlich für Menschen. Treffen die Strahlen in höheren Dosen oder über einen längeren Zeitraum auf den Körper, können sie im schlimmsten Fall Hautkrebs und Augenprobleme verursachen. So berichten chinesische Augenkliniken über zahlreiche Patienten, die seit der Corona-Pandemie über starke Augenschmerzen klagten. Manche konnten sogar ihre Augen nicht mehr öffnen. In China wurden angeblich zahlreiche kleine Lampen verkauft, die einen Schutz gegen Coronaviren vorgaukelten.

Auch in Deutschland erfreuen sich kleine UVC-Desinfektionsgeräte und -lampen für Jedermann großer Nachfrage. Bei Online-Händlern wie Amazon sind sie heiß begehrt. Manche Firmen bieten Desinfektionen für Gesichtsmasken, Schlüsselbunde, Geldbörsen oder Smartphones auf Basis von UVC an.

Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, keinesfalls in UV-Entkeimungsgeräte hineinzusehen, darunter zu stehen oder auch nur Körperteile darunter zu halten. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, solche Geräte am eigenen Körper einzusetzen. Ende April hatte US-Präsident Donald Trump die hoch gefährliche Idee auf einer Pressekonferenz geäußert, dass man die Körper von Corona-Infizierten mit UV- oder sehr starkem Licht beschießen solle.

Sichere Alternative mit kürzerer Wellenlänge?

An einer angeblich für Menschen ungefährlichen Alternative arbeiten inzwischen die Forscher der Columbia University in New York. Sie haben eine UVC-Lampe entwickelt, die eine kürzere Wellenlänge von 222 Nanometer aufweist und damit Haut und Augen nicht schädigt. Die herkömmlichen UVC-Geräte haben eine Wellenlänge von um 254 Nanometer. Nach Angaben der Forscher zerstört die Lampe 99,9 Prozent der Coronaviren in Aerosolen. Das Bundesamt für Strahlenschutz zeigt sich dennoch skeptisch. Ob die kurzwelligere UVC-Strahlung ein geringeres Risiko darstelle, lasse sich noch nicht eindeutig sagen, heißt es aus der Behörde.

Forscher und Ingenieure tüfteln derweil an einer neuen Generation von UVC-Strahlern, die die herkömmlichen Quecksilberleuchten ersetzen. Dabei setzen sie auf LED, das eine noch größere desinfizierende Wirksamkeit hat. Osram will in Kürze den ersten handlichen UVC-LED-Strahler auf den Markt bringen, die Oslon UV 3636. Er soll das Coronavirus im Alltag bekämpfen.

Ein Allheilmittel gegen Corona sind natürlich auch die UVC-Desinfektionsgeräte nicht. Denn das Virus wird nicht nur über die Luft und Oberflächen, sondern insbesondere auch über Tröpfchen übertragen, die bei Husten oder Niesen freigesetzt werden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 23. Oktober 2020 um 08:12 Uhr.