Der Eingang zu dem METRO Cash & Carry Markt in Dortmund . | Bildquelle: dpa

Kriselnder Handelskonzern Übernahmeangebot für Metro

Stand: 22.06.2019 02:51 Uhr

Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro kämpft schon länger mit Problemen. Nun wollen ihn zwei Investoren aus Tschechien und der Slowakei übernehmen. Sie versprechen, keine Märkte in Deutschland zu schließen.

Investoren aus Tschechien und der Slowakei wollen den Düsseldorfer Handelskonzern Metro komplett übernehmen. Die Holding EP Global Commerce hat ein entsprechendes Angebot an alle Aktionäre der Metro AG abgegeben.

Für die Stammaktien bietet EP nun 16,00 Euro und für die Vorzugsaktien 13,80 Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das entspreche einem Aufschlag von 34,5 Prozent auf das jüngste Kursniveau der Metro-Stammaktien und einem Gesamtwert aller Metro-Aktien von rund 5,8 Milliarden Euro.

EP Global Commerce gehört zu 53 Prozent dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky und zu 47 Prozent dem Slowaken Patrik Tkac. Das Unternehmen hatte im August 2018 in einem ersten Schritt 7,3 Prozent der Metro-Stammaktien vom Familienkonzern Haniel gekauft.

Das Logo der Supermarktkette Real ist an einer Gebäudefront angebracht. | Bildquelle: dpa
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Vor allem die Supermarktkette real drückt die Bilanz der Metro AG. Derzeit wird über einen Verkauf verhandelt.

Keine Marktschließungen geplant

EP beabsichtige, Metro "bei der notwendigen Anpassung an das sich entwickelnde Marktumfeld zu unterstützen und so eine erfolgreiche zukünftige Wachstumsstrategie zu ermöglichen", teilten die Investoren mit. "Es ist nicht beabsichtigt, die derzeit bestehenden Metro-Märkte in Deutschland oder anderen Kernmärkten der Metro Group zu schließen oder Arbeitsplätze in größerem Umfang abzubauen."

Bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge in Deutschland sollen demnach nicht gekündigt werden. EP Global Commerce respektiere die Rechte aller Mitarbeiter und sei "fest davon überzeugt, dass der zukünftige Erfolg von Metro auf ihrer hohen Kompetenz und ihrem starken Engagement beruht".

"Wir schätzen das Engagement aller Metro-Mitarbeiter sehr. Sie haben bereits sehr große Veränderungen durchlaufen und leisten in diesen schwierigen Zeiten eine bemerkenswerte Arbeit. Sie verdienen jedoch die beste nachhaltige Strategie und werden von der Erholung und dem langfristigen Wachstum von Metro profitieren", sagt Kretinsky laut der Mitteilung.

Metro-Führung will Angebot prüfen

Vorstand und Aufsichtsrat der Metro AG reagierten am späten Abend in einer Ad-hoc-Mitteilung. Man werde das Angebot sorgfältig bewerten und nach Vorlage der Unterlagen zu der Offerte ausführlich Stellung nehmen. Den Aktionären der Metro AG werde empfohlen, vor dieser Stellungnahme keine Aktien an die Bieterin oder mit ihr handelnde Personen zu verkaufen.

Nach Angaben des Unternehmens waren zuletzt bereits 10,91 Prozent im Eigentum von EP Global Commerce. Großaktionäre sind demnach außerdem die Franz Haniel & Cie GmbH (15,2 Prozent), die Meridian Stiftung (14,19 Prozent), die Beisheim Holding (6,56 Prozent) sowie Ceconomy (6,39 Prozent). Im Streubesitz befanden sich demnach 46,76 Prozent.

Probleme bei real

Der Konzern mit rund 150.000 Mitarbeitern kämpft unter anderem mit Problemen bei der Supermarktkette real sowie mit einem schwierigen Russland-Geschäft. Im letzten Quartal hatten Abschreibungen auf real den Handelskonzern tief ins Minus gedrückt.

Metro will die Kette zwar loswerden und spricht exklusiv mit einem Konsortium um den Hamburger Immobilienkonzern Redos. Bis jetzt gibt es allerdings noch keinen Verkaufsvertrag. Kretinsky unterstützt die Verkaufspläne, kritisiert allerdings den Stand der Verhandlungen.

Die Metro AG war 2017 aus der Aufspaltung der Metro Group hervorgegangen, ebenso wie Ceconomy als Holdinggesellschaft der Elektronikeinzelhändler Media Markt und Saturn.

Das Übernahmeangebot unterliegt einer Mindestannahmequote, die von EP allerdings nicht beziffert wurde. Diese werde ausreichend sein, um die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sicherzustellen, hieß es lediglich. Dafür ist eine Mehrheit von 75 Prozent auf der Hauptversammlung von Metro erforderlich. Die Holding verfügt bereits über Optionen, die sie über die Schwelle von 30 Prozent der Metro-Anteile bringen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juni 2019 um 00:00 Uhr in den Nachrichten.

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