Prof. Christian Wey, DIW Berlin
Interview

Interview zu den Telekom-Plänen "Der Druck zur Kostensenkung wird noch steigen"

Stand: 01.03.2007 16:11 Uhr

Rund 50.000 Stellen will die Telekom ausgliedern. Der Konzern wird mit Kosten belastet, die zum Teil noch aus der Zeit als Staatsunternehmen stammen, erklärt der Telekommunikations-Experte Prof. Christian Wey, Leiter der Abteilung Informationsgesellschaft und Wettbewerb beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, im tagesschau.de-Interview. Zugleich werde der Wettbewerb in jedem Fall noch schärfer.

tagesschau.de: Rühren die Probleme der Telekom daher, dass es sich bei ihr um ein ehemaliges Staatsunternehmen handelt?

Prof. Christian Wey: Auf jeden Fall. Die Telekom operiert mit einer Kostenstruktur, die natürlich noch aus der Zeit stammt, als sie ein Staatsunternehmen war. Ein monopolistisches Unternehmen hat grundsätzlich die Tendenz, zu viele Mitarbeiter zu beschäftigen. Unter Umständen werden auch Dienste und Infrastrukturen bereit gestellt, die qualitativ sehr hochwertig, in einem wettbewerblichen Umfeld dann aber von Nachteil sind.

tagesschau.de: Wie sieht es bei den Löhnen aus?

Wey: Allgemein kann man nicht sagen, ob die Löhne zu hoch oder zu niedrig sind. Die Telekom agiert in einem Wettbewerbsumfeld, wo sich sehr viel verändert: beim Mobilfunk, den Breitband-Netzen, den Telekommunikations-Dienstleistungen. Auch wenn die Liberalisierung bereits seit 1996 eingetreten ist, hat sich der Wettbewerb erst in den vergangenen Jahren immens verschärft. Da ist es nicht verwunderlich, dass eine althergebrachte Mitarbeiterstruktur dann nicht mehr optimal ist. Es geht weniger um das Lohnniveau, als um die Qualifikation und das Engagement der Mitarbeiter.

Prof. Christian Wey, DIW Berlin

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tagesschau.de: Gibt es Parallelen zu den Problemen, mit denen sich Bahn und Post herumschlagen?

Wettbewerbsvorteil durch jüngere Beschäftigte

Wey: Ja. Auch im Post- und Bahnsektor gibt es große Mitarbeiter-Bestände, die teilweise nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wenn andere Wettbewerber in der Lage sind, jüngere Beschäftigte zu niedrigeren Lohnkosten einzustellen, haben die einen Vorteil. Die ehemaligen Monopolisten sind bemüht, diesen Wettbewerbsvorteilen entgegenzuwirken, indem sie ihre Kosten senken. Dazu gehören gerade in der Dienstleistungsbranche die Personalkosten. Es ist vorhersehbar, dass der Druck steigen wird, die Lohnkosten zu senken.

tagesschau.de: Gibt es Unternehmen, die ähnliche Probleme haben und die sie durch die Ausgliederung von Unternehmensteilen gelöst haben?

Wey: Sie finden in der Wirtschaft grundsätzlich viele Ausgliederungen. Unternehmen wie Siemens haben beispielsweise ihre Buchhaltung in andere Länder ausgelagert. Die Auslagerung von Dienstleistungen ist für viele Unternehmen ein Mittel, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

tagesschau.de: Also auch die Auslagerung von Callcentern, wie es zum Beispiel die Telekom vorhat.

Wey: Das sind klassische Aktivitäten, die sich gut ausgliedern lassen. In den neuen Unternehmen lassen sich natürlich auch günstigere Lohnkosten realisieren.

"Managment-Probleme auslagern"

tagesschau.de: Macht es Sinn, solche ausgelagerten Unternehmen dann zu verkaufen?

Wey: Ja. Es gibt ja Management-Probleme und es kann gute Gründe geben, diese in unabhängige Unternehmen „auszulagern“, weil sie die Schwierigkeiten besser lösen können als ein großer Konzern wie die Telekom. Grundsätzlich ist natürlich die Frage, wie weit diese neuen Unternehmensteile neue Tarifverträge bestimmen können. Wenn das nicht der Fall ist, werden sich wahrscheinlich keine Käufer finden.

tagesschau.de: Die Telekom strukturiert auch ihre Marken um. Eine Billig-Marke soll her, ohne das T im Logo. Steckt der Karren dafür nicht schon zu tief im Dreck?

Wey: Das glaube ich nicht. Es gibt unterschiedliche Ansprüche der Kunden und mit differenzierten Angeboten werden unterschiedliche Verbraucherwünsche befriedigt.

"Die Telekom kämpft an mehreren Fronten"

tagesschau.de: Wird sich der Wettbewerb für die Telekom weiter verschärfen?

Wey: In jedem Fall. Zum einen ist es zum großen Teil ein regulierter Wettbewerb. Die Telekom muss Leistungen für Wettbewerber bereitstellen. Daraus ergeben sich neue Probleme, etwa beim Breitbandnetz VDSL. Da hat die Telekom nicht nur die Unsicherheit des Marktes – will der Verbraucher das überhaupt? Sie sieht sich auch der Unsicherheit der Regulierung ausgesetzt - gerade wenn es um Milliarden-Investitionen in neue Netze geht. Intern gibt es zusätzlich Management-Probleme. Die Telekom kämpft an mehreren Fronten. Und dann hat sie noch das Problem, dass sie eine Personal- und Kostenstruktur aus der Zeit als Staatsunternehmen geerbt hat. Es ist keine einfache Aufgabe.

Das Interview führte Wolfram Leytz, tagesschau.de