Neelie Kroes

Wegen Preisabsprachen in den Niederlanden EU verhängt Millionenstrafen gegen Bierkartell

Stand: 18.04.2007 13:08 Uhr

Wegen unerlaubter Preisabsprachen für Bier in den Niederlanden hat die EU-Kommission gegen die Brauereien Heinken, Grolsch und Bavaria ein Bußgeld von insgesamt 274 Millionen Euro verhängt. Heineken als Marktführer muss nun mit rund 219 Millionen Euro die höchste Einzelstrafe zahlen, Grolsch etwa 32 Millionen und Bavaria knapp 23 Millionen Euro. Der belgisch-brasilianische Brauereikonzern InBev, zu dem unter anderem die deutschen Brauereien Becks & Co., Diebels und Hasseröder gehören, ging als Kronzeuge straffrei aus.

Zwischen 1996 und 1999 seien Vertreter der vier Brauereien zu zahlreichen inoffiziellen Treffen zusammengekommen, um die Preise und Preiserhöhungen für Bier in den Niederlanden abzustimmen, schreibt die Kommission. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, selbst Niederländerin, sagte, den Managern sei klar gewesen, dass die Absprachen illegal waren. Sie hätten deshalb versucht, ihre Spuren zu verwischen.

Absprachen beim "Treffen Katharina"

Die Zusammenkünfte seien mit Bezeichnungen wie "Treffen Katharina" oder "Agendasitzung" getarnt worden. Teilgenommen hätten Führungskräfte bis hin zu Vorstandsmitgliedern. Um die Treffen zu verheimlichen, seien sie in wechselnden Hotels und Restaurants abgehalten worden. Dabei hätten die Brauereien Preiserhöhungen abgesprochen und die Preisnachlässe für Gaststätten verabredet. Auch hätten sie ihre Kunden untereinander aufgeteilt. Die Beweise seien eindeutig: So gebe es unter anderem handschriftliche Aufzeichnungen.

Die Zeche bezahlt hätten am Ende viele Niederländer, sagte Kroes. Sie selbst trinke zwar kein Bier. "Aber Bier ist bei den den Niederländern sehr populär." Der jährliche Durchschnittskonsum eines Niederländers liegt bei 80 Litern. Zuvor hatte die Kommission bereits Bierkartelle in Belgien, Frankreich und Luxemburg aufgedeckt.

Neelie Kroes

Trinkt selbst kein Bier: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes