Brüssel pocht auf Einhaltung der Lieferverträge Gazprom droht EU mit Gas-Entzug

Stand: 25.08.2007 16:57 Uhr

Der russische Energieriese Gazprom hat der Europäischen Union mit einem Zudrehen des Gashahns gedroht, sollte der Expansionsdrang des Konzerns in der EU gebremst werden. Versuche, die Aktivitäten von Gazprom auf dem europäischen Markt einzuschränken und Fragen der Gasversorgung zu politisieren, "werden zu keinem guten Ergebnis führen", erklärte das Unternehmen in Moskau. Gazprom könne in diesem Fall seine Erdgas-Exporte, die derzeit zum überwiegenden Teil nach Europa gehen, leicht in andere Regionen wie Nordamerika oder Asien umleiten. Die EU-Kommission in Brüssel wies die Drohung umgehend zurück und appellierte an das russische Unternehmen, seine Lieferverträge einzuhalten.

Die Erklärung wurde nach einem Treffen von Gazprom-Chef Alexej Miller mit EU-Botschaftern auf der Internetseite des Konzerns veröffentlicht. Das Unternehmen verwies darin auf den verschärften Wettbewerb um den Zugang zu den weltweiten Energiereserven. Doch solle Europa nicht vergessen, dass der Gaskonzern auch auf anderen Märkten wie Nordamerika und China aktiv sei.

Gazprom drängt auf europäischen Markt

Gazprom-Konzernzentrale in Moskau
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Gazprom will in Europa investieren. Das trifft nicht überall auf Begeisterung.

Gazprom versucht zunehmend, auch direkt auf den europäischen Gasmärkten als Versorger tätig zu werden statt europäische Konzerne zu beliefern. Dagegen rührt sich in mehreren Ländern Widerstand, die um die Sicherheit ihrer Energieversorgung fürchten. So hatte etwa die "Financial Times" in dieser Woche von den Plänen der Regierung in London berichtet, das britische Fusionsrecht derart zu verändern, dass eine mögliche Übernahme des führenden britischen Gasversorgers Centrica durch Gazprom verhindert würde.

Befremden bei der EU-Kommission

Bei der EU-Kommission wurde die russische Drohung mit Befremden aufgenommen. "Die Kommission erwartet von all ihren Lieferanten, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten, und das erwarten wir auch von diesem Unternehmen", sagte ein Sprecher der Behörde in Brüssel mit Blick auf Gazprom. Zwar versuchten Lieferanten wie Abnehmer auf einem zunehmend global orientierten Gasmarkt naturgemäß möglichst viele verschiedene Kunden und Bezugsquellen zu finden, fügte der Kommissionssprecher hinzu. Doch dürfe dies nicht zu anderen Zwecken mißbraucht werden.

Die Europäische Union bezieht derzeit ein Viertel ihrer Gasimporte aus Russland. In einzelnen Ländern wie Deutschland und Finnland ist die Abhängigkeit vom russischen Gas noch deutlich höher. So lieferte Russland im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel (35 Prozent) der gesamten deutschen Gasversorgung.

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