John McAfee, Mitgründer von McAfee Crypto Team und Gründer der Software McAfee Antivirus | REUTERS

Nachruf auf John McAfee Tod eines Menschenfängers

Stand: 24.06.2021 09:50 Uhr

Er galt als genialer Verkäufer und Lebemann. In den 1980er-Jahren entwickelte er eine der ersten Anti-Viren-Softwares. Nun hat sich John McAfee in einem Gefängnis in Spanien das Leben genommen. Ein Nachruf.

Von Marcus Schuler, ARD Studio Los Angeles

John McAfee hat sich stets gerne selbst inszeniert. In einem Video, aufgenommen vor gut acht Jahren, zeigt er sich umgeben von jungen Frauen und mit Zigarette im Mundwinkel. Er sagt: "Ich bin international gesucht worden, habe viele Frauen gehabt, ich war Yoga-Master und Anti-Viren-Guru." McAfee war ein genialer Verkäufer und Menschenfänger.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Pionier der Anti-Viren-Software

Er wird 1945 auf einem US-Luftwaffenstützpunkt in Großbritannien geboren, wächst im US-Bundesstaat Virginia auf. Der Vater ist Trinker und gewalttätig. Er nimmt sich das Leben, als John 15 Jahre alt ist. McAfee studiert Mathematik. Das sei ihm leicht gefallen, er habe sich nie wirklich anstrengen müssen, hieß es. Danach arbeitet er bei der NASA, beim Kopiergerätehersteller Xerox und schließlich in den 80er-Jahren beim Raumfahrtunternehmen Lockheed.

Dort entdeckt er den Computervirus Pakistani Brain, der sich auf den damaligen Floppy-Disks weiter verbreitet und die Diskettenlaufwerke langsamer macht. Er beginnt Anti-Viren-Software zu schreiben und gründet 1987 seine eigene Firma: McAfee Associates. "Ich bin damals ausgeflippt und dachte, ich kann diesen Computervirus stoppen. Und dann habe ich innerhalb von eineinhalb Tagen ein Programm geschrieben, das den Virus entfernt", erzählt er später.

In der Anfangszeit hält sich hartnäckig das Gerücht, er habe selbst Computerviren in Umlauf gebracht, um den Verkauf seiner Software anzukurbeln. Wie auch immer: Mit der Angst von Unternehmen vor der digitalen Bedrohung verdient McAfee Millionen. 1994 zieht er sich zurück und verkauft alle Anteile. In der Finanz- und Immobilienkrise 2008 verliert er fast alles. Von einstmals 100 Millionen Dollar sind nach einem Bericht der "New York Times" nur noch vier Millionen übrig.

Der Journalist Jeff Wise hat McAfee mehrmals getroffen. Er sei ein toller Geschichtenerzähler gewesen, sagt er dem Radiosender NPR: "Er ist sehr charismatisch. Er hat Tattoos und gefärbte Haare. Obwohl er Ende 60 ist, wirkt er wie eine Art Rockstar." McAfee lebt eine Zeit lang im Steuerparadies Belize. Er schmeißt wilde Partys, von Drogenexzessen und vielen Frauen ist die Rede. Er habe 47 Kinder gezeugt, behauptet der ehemalige Softwareunternehmer.

Als ein Nachbar erschossen wird, gerät er unter Verdacht und flieht 2012. Ein Gericht in Florida verurteilt ihn 2019 wegen des Todesfalls zu einer Zahlung von 25 Millionen Dollar an den Nachlass des getöteten Mannes. Kurze Zeit später wird er per internationalem Haftbefehl gesucht, weil er in den USA acht Jahre keine Steuern gezahlt haben soll. Dem TV-Sender ABC sagt er zwei Jahre vor seiner Flucht: "Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen. Und der Schlagzeuger, der mir den Takt vorgibt, mag komisch klingen, aber ich folge trotzdem dem Geräusch."

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juni 2021 um 07:30 Uhr.