Logos von Visa und Mastercard sind an einem Geschäft in Shanghai zu sehen | Bildquelle: picture alliance/dpa

Chinas Marktabschottung Keine Chance für Visa und Mastercard

Stand: 25.02.2019 09:27 Uhr

Die USA werfen China im Handelsstreit vor, heimische Firmen zu bevorzugen. Der Markt für Kreditkarten zeigt, wie die Regierung in Peking Branchen gegen ausländische Firmen abschottet.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ein kleiner Kaffee-Laden im Shanghaier Stadtviertel Jing’an: Hier trinken vor allem Geschäftsleute aus den umliegenden Hochhaus-Büros ihren Pausen-Kaffee. Ein Cappuccino kostet günstige 15 Kuai, knapp zwei Euro.

Wie überall in China bezahlen die allermeisten Kunden mit dem Smartphone. Wer es mit Kreditkarte versucht, scheitert. Wir haben leider kein Gerät für ausländische Kreditkarten, sagt der Kaffeeverkäufer.

Kleine Betriebe akzeptieren keine ausländischen Kreditkarten

Internationale Zahlungsdiensteister sind in China bisher kaum verbreitet. Die beiden US-Konzerne Mastercard und Visa versuchen seit Jahren vergeblich, auf eigene Faust im bevölkerungsreichsten Land der Welt Geschäfte zu machen.

Große Hotels und teure Restaurants akzeptieren zwar auch jetzt schon ausländische Karten, um Geschäftsreisende nicht zu vergraulen. Aber das funktioniert nur über eine komplizierte und teure Partnerschaft mit dem heimischen Anbieter UnionPay. Kleinere Betriebe akzeptieren ausländische Karten fast nie.

Monopol in Staatshand

Logo des chinesischen Finanzdienstleisters UnionPay | Bildquelle: picture alliance/dpa
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UnionPay ist in Staatsbesitz und hat ein Monopol in China.

Der Kartenanbieter UnionPay gehört dem chinesischen Staat. Er hat ein landesweites Monopol. Und Chinas Staats- und Parteiführung habe bisher kein Interesse, daran etwas zu ändern, erklärt Oliver Rui von der China Europe International Business School (CEIBS).

"Erstens hat das technische Gründe. Chinas Währung, der Renminbi, ist nach wie vor nicht frei konvertierbar, umtauschbar", sagt Rui. "Die große Frage ist: Wie würde sich Chinas nicht-freier Kapitalmarkt mit einem offenen Kreditkartenmarkt vertragen? Wie dann der Geldverkehr ins Ausland funktionieren würde, ist unklar. Und der zweite Grund: China will seine staatseigenen Firmen schützen und kann auch deswegen das Monopol von UnionPay nicht aufgeben."

Anträge nicht zur Entscheidung angenommen

Logo der Welthandelsorganisation WTO
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Die WTO beschwerte sich schon 2012 bei China über die Diskriminierung ausländischer Zahlungsdienstleister.

Das Pikante daran: Die Welthandelsorganisation (WTO) beschwerte sich schon 2012 darüber, dass China ausländische Zahlungsdienstleister diskriminiere. Die Staats- und Parteiführung gelobte Besserung und versprach, den Markt für Mastercard, Visa und andere zu öffnen. Sie brachte auch entsprechende neue Regeln auf den Weg. Doch wirklich passiert ist seitdem kaum etwas.

2017 beantragten Visa und Mastercard bei der chinesischen Zentralbank eine Zulassung. Doch nach Medienberichten nahm diese die Anträge nie offiziell zur Entscheidung an. Stattdessen halten die chinesischen Behörden die US-Finanzunternehmen weiter hin.

"Das ist ziemlich peinlich", sagt der Shanghaier Wirtschaftsprofessor Rui, "denn China hat bereits 2001, beim Eintritt in die WTO, versprochen, seinen Finanzmarkt zu öffnen. Und die Regeln besagen nunmal: Wenn die Behörden entsprechende Anträge von Kreditkartenfirmen annehmen, müssen sie diese auch bearbeiten. Aber die Regierung weiß noch gar nicht, ob sie das überhaupt will, deswegen die Hinhaltetaktik."

American Express akzeptiert Partnerschaft

Der kleinere US-Kreditkartenanbieter American Express hat inzwischen einen Ausweg gefunden. Er bekam im November als erster ausländischer Kartenanbieter die Erlaubnis, in China aktiv zu werden. American Express vereinbarte dafür aber eine Partnerschaft mit einem heimischen Finanzunternehmen. Mastercard und Visa bestehen darauf, alleine - ohne Joint-Venture-Partner - in China loszulegen. Bisher vergeblich.

Wie Mastercard und Visa (vergeblich) ums China-Geschäft kämpfen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
25.02.2019 09:26 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 25. Februar 2019 um 09:19 Uhr auf WDR 5.

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