FFP2-Schutzmasken werden in Wuppertal produziert. | dpa

Kritik des Branchenverbandes Deutschen Masken droht das Aus

Stand: 17.07.2022 11:11 Uhr

Corona war ein Weckruf, zeigte die große Abhängigkeit von Ländern wie China bei Medizinprodukten. Hektisch wurde die heimische Produktion von Masken hochgezogen. Doch nun droht der Branche bereits wieder das Aus.

Als zu Beginn der Corona-Pandemie Schutzmasken Mangelware waren, stiegen viele heimische Firmen in die Produktion ein. Von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung gab es Millionen Euro Subventionen mit dem Ziel, weniger von Importen aus China abhängig zu sein. Doch nun rechnet der Verband der Schutzmasken-Hersteller mit einem baldigen Ende der Produktion hierzulande.

Spätestens im Jahr 2025 werde alles wieder so sein wie vor Corona, sagte Verbandssprecher Stefan Bergmann dem Nachrichtenmagazin "Spiegel": "Viele bauen dann vermutlich ihre Maschinen wieder ab und verkaufen sie. Wahrscheinlich nach China, wo einige zuvor gekauft wurden. Die Unternehmen versuchen damit ihre Schulden, oft in Millionenhöhe, zu begleichen", so der Branchenvertreter. Die Bilanz sehe eher mager aus. "Kaum jemand dürfte seine Investitionen wieder reingefahren haben, trotz der Förderung des Bundes", so Bergmann.

"China wird erneut triumphieren"

Der Branchenverband ist ein Zusammenschluss deutscher Unternehmen, die in der Pandemie in die Produktion der Masken eingestiegen sind. Rund 150 Firmen hatten in der Hochphase der Pandemie in Deutschland Masken und andere Schutzartikel hergestellt. Die Zukunft schätzt der Maskenverband schwierig ein, so kritisiert Bergmann:

Wir stehen da, wie zu Anfang der Covid-Pandemie: nackt. Und China wird erneut triumphieren, falls es zu einer neuen Pandemie kommt.

Grund für die schlechten Geschäftsaussichten sind die höheren Kosten für die Herstellung hierzulande im Vergleich zu Masken aus chinesischer Produktion. So kostet derzeit eine FFP2-Maske aus deutscher Produktion etwa 35 Cent im Einkauf, chinesische Ware kann für 12 Cent zuzüglich Frachtkosten bezogen werden.

Großbestellungen, etwa von Krankenhäusern und Behörden, unterliegen einem Ausschreibungsverfahren, bei welchem der Preis oft den Ausschlag gibt. "Man hätte das vorher wissen können, dass Großbestellungen nur über den Preis funktionieren. Dabei könnte man auch die Ausschreibungskriterien anders setzen, doch man macht es einfach so gut wie nicht", sagte Bergmann.

Oft entscheidet allein der Preis

Eine Abfrage des "Spiegel" in den 16 Bundesländern die etwa für ihre Kliniken und Behörden einkaufen zeigt, dass es kaum möglich ist, ausdrücklich in Deutschland hergestellte Ware anzufragen. Eine Ausschreibung, heißt es in den Ländern, müsse diskriminierungsfrei erfolgen und deshalb Angebote aus aller Welt berücksichtigen.

Hinzu komme die Pflicht zur sparsamen Haushaltsführung. Kriterien wie Nachhaltigkeit, Soziales oder Qualität können berücksichtigt werden. Doch weil das Ermessensfrage ist, ist meist der Preis ausschlaggebend.

Wie es anders gehen könnte, zeigt das Beispiel Frankreich. Auch dort wurden zu Beginn der Pandemie 97 Prozent der Masken aus dem Ausland bezogen. Daraufhin reagierte das Gesundheitsministerium mit einem Erlass, der die öffentlichen Stellen zwang, alle Masken aus Frankreich oder der EU zu beziehen. Außerdem soll im Vergabeverfahren der Preis nur noch zu 25 Prozent eingehen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Mai 2021 um 23:00 Uhr.