Schatten von Wirecard-Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: REUTERS

Marsalek untergetaucht Wirecard-Vorstand will sich nicht stellen

Stand: 29.06.2020 10:00 Uhr

Wegen des Bilanzskandals beim Finanzdienstleister Wirecard werden die Ex-Chefs juristisch verfolgt. Einer von ihnen ist offenbar im Ausland untergetaucht und will sich nun doch nicht der Justiz stellen.

Von Georg Mascolo, NDR/WDR

Der langjährige Vorstand der Wirecard AG, Jan Marsalek, wird sich offenbar nicht der Justiz stellen. Das erfuhren WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" aus Kreisen der Verfahrensbeteiligten. Marsalek hatte über seinen Anwalt in der vergangenen Woche zunächst erklären lassen, er werde nach München kommen, um sich dort vernehmen zu lassen. Dies soll nun doch nicht stattfinden. Weder die Staatsanwaltschaft München noch sein Verteidiger wollten sich auf Anfrage äußern.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche einen Haftbefehl gegen den 40-jährigen österreichischen Staatsbürger Marsalek erwirkt. Ihm werden verschiedene mögliche Delikte im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal des Unternehmens vorgeworfen.

Auf der Suche nach 1,9 Milliarden Euro

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hatte am Montag vergangener Woche mitgeteilt, dass ein Vermögen in Höhe von 1,9 Milliarden in Euro auf Konten des Unternehmens in Asien gar nicht existiere. Am Donnerstag beantragte die Wirecard AG, die zu den Dax-Konzernen gehörte, ein Insolvenzverfahren.

Marsalek hatte ein Jahrzehnt lang im Vorstand das operative Geschäft geleitet. Dabei entstand ein weltweit verzweigtes Konstrukt aus Tochter- und Partnerfirmen. Viele Umsätze und Gewinne, die in diesem Netzwerk angefallen sein sollen, hat es offenbar nie gegeben.

Wo ist Marsalek?

Marsalek soll sich zuletzt auf den Philippinen aufgehalten haben. Auch von China als Aufenthaltsort wird berichtet. Sein Förderer, der Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, hatte sich am Montag vergangener Woche der Justiz gestellt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. Juni 2020 um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

Korrespondent

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