Logo der Lufthansa am Leitwerk einer Maschine | AFP

Winter-Reisesaison Lufthansa rechnet mit hoher Nachfrage

Stand: 27.10.2022 08:27 Uhr

Steigende Preise und eine drohende Rezession drücken offenbar nicht auf die Reiselaune. Auch im Winter erwartet Lufthansa eine hohe Ticket-Nachfrage. Reisende gönnen sich dabei häufiger als früher die teureren Buchungsklassen.

Trotz eingetrübter Konjunkturlage und steigender Preise erwartet Deutschlands größte Airline Lufthansa in den Wintermonaten eine steigende Nachfrage nach Flügen. "Die Lust zu reisen und damit die Nachfrage nach Flugtickets ist weiter ungebrochen", erklärte Konzernchef Carsten Spohr heute bei der Vorstellung der Quartalszahlen in Frankfurt.

"Die Lufthansa Group hat die Pandemie wirtschaftlich hinter sich gelassen und blickt optimistisch nach vorne", so der Chef der Fluggesellschaft. Die Passagier-Airlines planten im vierten Quartal mit rund 80 Prozent der Kapazität von 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Krise. Der Konzern rechne trotz der üblichen saisonalen Abschwächung in den letzten drei Monaten des Jahres mit einem operativen Gewinn.

Bereits Mitte Oktober hatte der MDAX-Konzern Eckdaten zum saisonal wichtigen Sommerquartal bekannt gegeben: Der Betriebsgewinn vervierfachte sich auf 1,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente die Lufthansa 809 Millionen Euro im dritten Quartal - nach einem Verlust von 72 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Viele Flugstreichungen und gestiegene Ticketpreise

Erstmals seit Ausbruch der für die Luftfahrt desaströsen Corona-Pandemie war auch die Hauptmarke Lufthansa wieder profitabel, sodass alle Passagier-Airlines zusammen schwarze Zahlen schrieben. Ohne die vielen Flugstreichungen wegen der Betriebsstörungen durch den Personalmangel bei Airlines und an Flughäfen wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen. Statt der einst geplanten 85 Prozent der Vorkrisenkapazität konnte die Lufthansa-Gruppe nur 78 Prozent abheben lassen. Die Kosten für Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr beliefen sich auf 239 Millionen Euro.

Die Durchschnittserlöse, ein Gradmesser für die Ticketpreise, waren sogar 23 Prozent höher als 2019. Geschäftsreisende und Urlauber gönnen sich häufiger als früher die teureren Buchungsklassen. Insgesamt flogen im dritten Quartal 33 Millionen Passagiere mit den Lufthansa-Airlines, im Vorjahreszeitraum waren es noch 20 Millionen gewesen.

Für die Passagiersparte des Konzerns war es der erste operative Quartalsgewinn seit Beginn der Pandemie - auch wegen deutlich gestiegener Ticketpreise. Die Frachtsparte Lufthansa Cargo erzielte einen weiteren Spitzenwert und will im laufenden Jahr ihren operativen Rekordgewinn von 2021 übertreffen. Auch die Wartungssparte Lufthansa Technik erwarte 2022 ein Rekordergebnis, hieß es.

Schwarze Zahlen auch im vierten Quartal erwartet

Bereits vergangene Woche hatte der MDAX-Konzern seine Gewinnprognose für 2022 verdoppelt und peilt jetzt ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) von mehr als einer Milliarde Euro an. Auch für das sonst eher schwache vierte Quartal erwartet der Vorstand schwarze Zahlen.

Der Ferienflieger Eurowings verdiente mit 103 Millionen Euro trotz des starken Sommerquartals allerdings etwas weniger. Die höchsten operativen Margen erzielten die Töchter aus der Schweiz und Österreich, Swiss und Austrian Airlines mit 15 und 16 Prozent.

Rückzahlung von Staatshilfen für Lufthansa-Töchter

Zudem will die Lufthansa nun die verbliebenen Staatshilfen für ihre Auslandstöchter Austrian und Brussels bis Ende Dezember zurückzahlen. Austrian Airlines hat eigenen Angaben zufolge das beste Quartalsergebnis seit über 20 Jahren erwirtschaftet - trotz "zahlreicher systemischer Herausforderungen in der europäischen Luftfahrt". Aufgrund der guten Entwicklung kann das Unternehmen die verbliebenen 210 Millionen Euro der insgesamt 300 Millionen Euro an Staatshilfen zum Jahresende vollständig an Österreich zurückzahlen. Die Rückzahlung des im Sommer 2020 gewährten staatlich besicherten Kredites war eigentlich für Ende 2025 geplant gewesen.

Die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines begrüßte im dritten Quartal mit 2,28 Millionen Passagieren 50 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Die Airline erhielt 2020 belgische Staatshilfen in Höhe von 290 Millionen Euro, die das Unternehmen nun ebenfalls bis Ende des Jahres zurückzahlen will.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.