Ein Flughafenmitarbeiter steht vor einem Flugzeug der Lufthansa. | Bildquelle: dpa

Corona-Sparprogramm Lufthansa einigt sich mit ver.di

Stand: 11.11.2020 19:47 Uhr

Wegen der Corona-Krise kämpft die Lufthansa mit einem Milliardenverlust. Damit die Zahl der Entlassungen möglichst gering bleibt, hat sich Deutschlands größte Airline mit der Gewerkschaft ver.di auf Lohnkürzungen verständigt.

Die angeschlagene Lufthansa kommt bei den Sanierungsverhandlungen mit ihren Arbeitnehmern voran. Mit der Gewerkschaft ver.di vereinbarte das Unternehmen eine Lösung für rund 35.000 Bodenbeschäftigte, wie beide Seiten mitteilten. Die Mitarbeiter werden demnach bis Ende März 2022 vor Entlassungen geschützt, verzichten aber im Gegenzug auf verschiedene Entgelt-Bestandteile. Außerdem wurden Altersteilzeitprogramme vereinbart.

Lufthansa teilte mit, man habe bereits das laufende Weihnachtsgeld einbehalten. Auch bei den Zuzahlungen zum Kurzarbeitergeld soll gestrichen werden. Insgesamt ergebe sich ein Sparpotenzial von mehr als 200 Millionen Euro, wie beide Seiten bestätigten. Über weitere Sparmaßnahmen ab dem Jahr 2022 wollen die Parteien frühzeitig sprechen. "Wir dürfen nicht nachlassen, weiter an Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu arbeiten, um auch für die Zeit nach Ende der Kurzarbeit gute Lösungen für die Mitarbeiter zu vereinbaren", sagte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann.

Gewerkschaftsmitglieder müssen noch zustimmen

Die Einigung steht laut ver.di noch unter dem Vorbehalt einer Mitgliederbefragung. "Wir haben nach zähen Verhandlungen ein erstes Ergebnis erreicht, das Perspektiven bietet, wirksamen Beschäftigtenschutz sicherstellt und Lufthansa 200 Millionen Euro an Beiträgen, die die Beschäftigten tragen, in die Kasse spült. Jetzt muss die Lufthansa mit diesem Kredit der Beschäftigten verantwortungsvoll umgehen", sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.

Zuvor hatte Lufthansa bereits mit der Kabinengewerkschaft Ufo Eckpunkte eines langfristigen Abkommens verabredet. Mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) steht eine Einigung über das laufende Jahr hinweg noch aus. Die VC unterbreitete weitere Vorschläge, die nach ihrer Berechnung der Lufthansa rund 450 Millionen Euro einsparen würden.

Milliardenverlust wegen Corona-Krise

Den etwa 5000 Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft drohen bei einer Nichteinigung vom zweiten Quartal 2021 an betriebsbedingte Kündigungen von bis zu 1100 Kollegen. Entsprechende Verhandlungen für Sozialplan und Interessensausgleich hat Lufthansa nach eigenen Angaben mit den Betriebsräten bereits eingeleitet.

Die Lufthansa wurde wie die gesamte Branche von der Corona-Pandemie hart getroffen. Nach drei Quartalen hat das vom Staat gerettete Unternehmen im laufenden Jahr bereits einen Verlust von 5,6 Milliarden Euro ausgewiesen und ist mit einem deutlich eingeschränkten Flugangebot unterwegs. Von 124.000 Stellen sollen langfristig nur rund 100.000 übrig bleiben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2020 um 20:00 Uhr.

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