Ein Mann schaut auf eine Anzeigetafel. | Bildquelle: RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Streik bei der Lufthansa 1300 Annullierungen, aber kein Chaos

Stand: 07.11.2019 09:46 Uhr

Der Streik der Flugbegleiter trifft 180.000 Lufthansa-Kunden. Viele wurden umgebucht oder auf die Bahn verwiesen - auf den Flughäfen ist es daher eher ruhig. Die Lufthansa strebt nun eine Schlichtung des Tarifkonflikts an.

Wer auf die Internet-Flugpläne der großen deutschen Flughäfen schaut, findet dort derzeit sehr oft die Worte "annulliert" und "cancelled": Für heute hat die Lufthansa 700 Flüge gestrichen, für morgen 600. Hintergrund ist der Streik der Flugbegleiter, der um Mitternacht begonnen hat.

Obwohl dieser Streik nach Angaben der Airline rund 180.000 Passagiere trifft, ist ein größeres Chaos bislang ausgeblieben. Kurz nach der aufgehobenen Nachtruhe sei es "immer noch relativ ruhig" in Frankfurt und München, sagte der Sprecher der Gewerkschaft UFO, Nicoley Baublies. "Die ersten Kollegen, die jetzt zur Arbeit hätten kommen müssen, sind nicht erschienen. Die ersten Kollegen, die aus dem Ausland gekommen sind, haben sich schon den Streikaktivitäten angeschlossen."

Lufthansa-Check-in-Bereich am Hamburger Flughafen | Bildquelle: dpa
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Wie hier am Flughafen Hamburg waren die Schlangen vor den Lufthansa-Schaltern eher kürzer als an anderen Tagen. Viele Passagiere hatten sich offenbar rechtzeitig informiert.

Aus Flugtickets werden Bahntickets

Die Gewerkschaft UFO hatte die Streiks am Montag angekündigt, die Lufthansa hatte also drei Tage Zeit, sich vorzubereiten. Kunden wurden auf andere Flüge umgebucht - unter anderem auf die von Partner-Airlines oder Lufthansa-Töchtern wie Eurowings, die von dem Streik aktuell nicht betroffen sind.

Auf innerdeutschen Strecken können Passagiere zudem die Bahn nutzen. Dazu können sie ihr Ticket online in einen Fahrschein der Bahn umwandeln. Die Anreise zum Flughafen sei dafür nicht notwendig, so die Lufthansa. Sie bat ihre Kunden, sich vor Reiseantritt auf der Internetseite der Airline über den Status ihres Flugs zu informieren. Dort finden sich auch Informationen, wie auf einen anderen Flug oder die Bahn umgebucht werden kann.

Streik möglicherweise auch bei Eurowings

Nach Angaben der Flughäfen gab es vor den Lufthansa-Schaltern keine längeren Warteschlangen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Passagiere im Vorhinein informiert haben", sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Auch auf die Bahn hat der Streik bislang keine größeren Auswirkungen. Die Verkehrslage sei normal, so ein Bahn-Sprecher.

UFO will heute am Flughafen München für die Belange der rund 21.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa-Kernmarke demonstrieren. Morgen ist dann eine Kundgebung vor der Frankfurter Konzernzentrale am Flughafen geplant.

Möglicherweise wird der Streik auch auf andere Marken ausgeweitet, die zur Lufthansa gehören. Davon könnten vor allem Eurowings-Flüge betroffen sein. Einzelheiten will UFO im Laufe des Tages bekannt geben.

Lufthansa-Chef für Schlichtung

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr sagte am Morgen, sein Unternehmen strebe eine Schlichtung an. Das Unternehmen wolle mit allen drei Gewerkschaften der Kabine Gespräche aufnehmen. "Dieses schließt ausdrücklich auch wieder Gespräche mit der UFO ein", so Spohr.

UFO-Sprecher Baublies lehnte einen Kommentar zu dem Vorstoß zunächst ab. Lufthansa habe die Erklärung zuerst an die Medien gegeben, statt auf die UFO zuzugehen. Auch könne das Unternehmen die Schlichtung einseitig anrufen, wie es der 2016 geschlossene Tarifvertrag zur Konfliktlösung vorsehe.

UFO fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Marken der Airline, für die deutsches Tarifrecht gilt, wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. Diese vier Marken sind Eurowings Deutschland, Germanwings, Lufthansa Cityline sowie SunExpress.

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Lufthansa-Konzern aufgeworfene Frage, ob UFO überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Das Unternehmen ist der Auffassung, dass der nach internem Streit in der Gewerkschaft eingesetzte Vorstand nicht vertretungsberechtigt ist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2019 um 09:00 Uhr.

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