Eine Anzeigetafel am Frankfurter Flughafen zeigt annullierte Flugverbindungen. | Bildquelle: AFP

Unzufriedene Flugbegleiter Streik bei der Lufthansa hat begonnen

Stand: 07.11.2019 03:18 Uhr

Um Mitternacht hat bei der Lufthansa der Flugbegleiter-Streik begonnen. Zuvor wurden 1300 Flüge abgesagt. Betroffen davon sind rund 180.000 Passagiere. Versuche, den Streik gerichtlich zu unterbinden, scheiterten.

Bei der Lufthansa hat um Mitternacht ein 48-Stunden-Streik der Flugbegleiter begonnen. Der Konzern strich für heute bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, so dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der lukrativen Überseeflüge ausfallen müssen. Zusammen mit 600 geplanten Stornierungen am Freitag sind der Airline zufolge rund 180.000 Passagiere betroffen. Auch Zubringerflüge von den kleineren deutschen Flughäfen fallen aus.

Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten. Die Gewerkschaft UFO will heute am Flughafen München für die Belange der rund 21.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa-Kernmarke demonstrieren. Morgen ist dann eine Kundgebung vor der Frankfurter Konzernzentrale am Flughafen geplant.

Lufthansa scheitert vor Gericht

Die Lufthansa war gestern in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Streik ab.

Die Gewerkschaft UFO hat eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf bis zu vier weitere Airlines mit deutschem Tarifrecht angekündigt, die zum Lufthansa-Konzern gehören. Davon könnten vor allem Eurowings-Flüge betroffen sein. Einzelheiten will UFO im Laufe des Tages nennen. Ein Gespräch auf Einladung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit anderen im Konzern aktiven Gewerkschaften schlug die UFO-Vorsitzende Sylvia de la Cruz aus. Unter anderem habe sich das Unternehmen in die Frage einmischen wollen, wer von Seiten der UFO an dem Gespräch teilnehmen sollte.

Tarifkonflikt der Lufthansa führt zu 1300 gestrichenen Flügen
tagesschau 20:00 Uhr, 06.11.2019, Uli Meerkamm, HR

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UFO: "Wir sind bereit für ausgeweitete Streiks"

Der Vize-Vorsitzende Daniel Flohr forderte Lufthansa auf, den festgefahrenen Konflikt zu beenden. "Wir brauchen konkrete Verhandlungen, die auf Augenhöhe geführt werden und schnell zu einem Abschluss gebracht werden können", sagte er. Die Forderungen seien schnell umzusetzen und berührten Themen, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst worden seien. Wenn es nicht zu einer Annäherung komme, habe man von dem Mitgliedern in Urabstimmungen ein eindeutiges Mandat erhalten. "Wir sind bereit für ausgeweitete Streiks, um unsere Forderungen durchzusetzen", erklärte Flohr.

In der ersten Frankfurter Gerichtsverhandlung hatte Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen zu tariflichen Themen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden UFO-Vorstand ab dem 15. Februar 2020 finalisiert werden könnten. Den jetzigen Vorstand lehne man weiterhin als nicht vertretungsberechtigt ab, sagte Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber.

UFO fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten.

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob UFO überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. In einem ersten Warnstreik bei den vier Tochter-Flugbetrieben hatte UFO am 20. Oktober dieses Jahres mehr als 100 Flüge ausfallen lassen. Damals hatte der Lufthansa-Konzern keinen Ersatzflugplan erstellt. Der letzte reguläre UFO-Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft datiert aus dem Jahr 2015 und war mit einer Woche Dauer der längste in der Unternehmensgeschichte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2019 um 01:53 Uhr.

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