Vor einem grauen Wolkenhimmel ist auf dem Seitenleitwerk eines Flugzeuges das Lufthansa-Logo zu sehen. | Bildquelle: AFP

Lufthansa in der Krise Es wird eng für das Rettungspaket

Stand: 21.06.2020 20:19 Uhr

Die Sorge bei der Lufthansa wächst: Für die Staatshilfen fehlt noch das Ja der Aktionäre. Von denen haben sich aber zu wenige für die Hauptversammlung angemeldet, sodass ein Großaktionär den Ausschlag geben könnte.

Der entscheidende Tag für die Lufthansa steht erst in der kommenden Woche an: Am Donnerstag sollen die Aktionäre der Fluggesellschaft über das geplante Rettungspaket des Bundes abstimmen, mit dessen Hilfe der angeschlagene Konzern die Verluste durch die Corona-Krise überwinden soll.

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein Ja zu den bis zu neun Milliarden Euro umfassenden Finanzhilfen auf äußerst wackeligen Füßen steht. Entscheidend dabei ist die Frist für die Aktionäre, sich für die virtuell stattfindende Hauptversammlung anzumelden. Die lief in der vergangenen Nacht aus.

Zu wenige Stimmrechte für einfache Mehrheit

In einem Brief an die Mitarbeiter teilte Lufthansa-Chef Carsten Spohr heute mit, dass "unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben". Damit ist die Hürde für die Zustimmung zum Rettungspaket deutlich höher geworden. Hätten sich genügend Aktionäre angemeldet, die Stimmrechte von mindestens 50 Prozent auf sich vereint hätten, wäre nur eine einfache Mehrheit nötig gewesen, um die Unterstützung vom Bund abzusegnen.

Doch da nun - mit 38 Prozent der Stimmrechte - zu wenig Aktionäre auf der Hauptversammlung vertreten sind, muss eine Zweidrittel-Mehrheit erreicht werden. Mit Blick auf diese Grenze räumt Konzernchef Spohr selbst ein, das "die nach jüngsten Äußerungen von wichtigen Aktionären insbesondere zu den Konditionen der Kapitalerhöhung nicht sicher erscheint".

Ein neuer Großaktionär mit entscheidender Rolle

Damit spielt Spohr vor allem auf den Großaktionär Heinz Hermann Thiele an. Dieser war im März bei der Fluglinie eingestiegen und hatte zunächst einen Anteil von zehn Prozent erworben, diesen dann aber schrittweise auf 15 Prozent erhöht und dementsprechend auch seinen Anteil der Stimmrechte. Aufgrund der geringen Anmeldungen für die Hauptversammlung könnte Thiele damit bei der Abstimmung eine entscheidende Rolle zukommen.

Und bisher hat sich der Großaktionär kritisch gegenüber den Staatshilfen geäußert: die Beteiligung des Bundes in Höhe von 20 Prozent lehnt er klar ab, denn damit wäre eine Kapitalerhöhung notwendig, die den Wert der Aktien aber schmälern würde.

Damit die Finanzhilfen für die Airline nicht platzen, soll nun offenbar nachverhandelt werden. Dafür will Thiele am Montagmorgen mit Konzernchef Spohr und Bundesfinanzminister Olaf Scholz zusammenkommen.

Lufthansa wappnet sich für Nein zu Hilfen

Trotzdem wappnet sich die Lufthansa auch für das Szenario, dass das Rettungspaket abgelehnt wird: "Für den Fall, dass die Hauptversammlung keine Zustimmung für die Stabilisierungsmaßnahmen des Bundes erteilt, haben wir umfangreiche Vorbereitungen getroffen, unter anderem, um ein Grounding zu verhindern", schrieb Spohr in seinem Brief weiter.

Ein Nein zu der Stütze vom Bund würde für die Fluggesellschaft wohl automatisch die Insolvenz bedeuten. Bis diese dann angemeldet werden müsse, wolle das Unternehmen mit der Bundesregierung verbleibende Optionen besprechen.

Die Corona-Krise hat auch den Börsenwert der Fluggesellschaft sinken lassen. Als Folge muss die Lufthansa ab Montag den Dax verlassen. Dafür steigt der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen in den Leitindex der 30 größten deutschen Unternehmen auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2020 um 06:00 Uhr.

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