Eine Reihe wegen der Corona-Krise geparkter Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen.   | Bildquelle: dpa

Lufthansa-Rettungspaket Großaktionär Thiele denkt um

Stand: 24.06.2020 20:59 Uhr

Heute stimmen die Lufthansa-Aktionäre über das Rettungspaket des Bundes ab. Eine entscheidende Stimme fällt dabei dem Großaktionär Thiele zu. Und der rückt nun von seinem kritischen Kurs ab.

Es scheint die entscheidende Kehrtwende und damit der ersehnte Lichtblick für die durch die Corona-Krise stark angeschlagene Lufthansa zu sein. Nur einen Tag vor der außerordentlichen Hauptversammlung, auf der die Aktionäre des Unternehmens über das geplante Rettungspaket des Bundes abstimmen sollen, schwenkt der Großaktionär Heinz Hermann Thiele in seiner Haltung um.

Bisher hatte Thiele den Staatshilfen kritisch gegenüber gestanden. Der Hauptgrund: Mit der Unterstützung waren auch ein Anteilspaket von 20 Prozent und weitere Bezugsrechte für den Bund verbunden. Thiele fürchtete, dass dadurch die Aktien der Fluggesellschaft an Wert verlieren könnten. Doch nun verkündete Thiele in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass er dem Rettungspaket zustimmen wolle.

Thieles Stimme hat entscheidendes Gewicht

Das Ja des Großaktionärs zu den neun Milliarden umfassenden Staatshilfen spielt eine entscheidende Rolle. Der Grund sind die geringen Anmeldungen der Aktionäre für die Hauptversammlung, die virtuell stattfinden soll.

Die Frist war in der Nacht zu Sonntag ausgelaufen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verkündete danach per Brief an die Mitarbeiter seines Konzerns, dass bei der Teilnahme weniger als 38 Prozent des Kapitals zusammengekommen wären - und damit nicht genug, um dem Rettungspaket mit einer einfachen Mehrheit zuzustimmen. Dafür hätten sich genügend Aktionäre anmelden müssen, die mindestens 50 Prozent der Stimmrechte auf sich vereint hätten. Nun muss eine Zeidrittel-Mehrheit erreicht werden.

Thiele war im März bei der Lufthansa eingestiegen, zunächst mit Anteilen über zehn Prozent. Doch er stockte sie auf mittlerweile 15,5 Prozent auf. Mit diesen Anteil an Stimmrechten hätte er die Billigung der Staatshilfen quasi im Alleingang blockieren können.

"Meine Zweifel sind nicht beseitigt"

Im Interview mit der "FAZ" ließ Thiele offen, inwiefern ein Treffen zwischen ihm, Lufthansa-Chef Spohr und Bundesfinanzminister Olaf Scholz sowie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Anfang der Woche zu seinem Sinneswandel geführt hatte. Er räumte aber ein, dass es immer noch "unterschiedliche Positionen mit den Regierungsvertretern" gebe und seine Zweifel keinesfalls ausgeräumt seien.

Allein in Deutschland rund 11.000 Jobs in Gefahr

Kommt das Rettungspaket nicht durch die Hauptversammlung, muss die Lufthansa wahrscheinlich ein Schutzschirmverfahren beantragen - ein auf Sanierung ausgerichtetes Insolvenzverfahren. Die Konsequenzen - gerade für die Mitarbeiter der Fluggesellschaft - sähen in diesem Fall düster aus. Spohr selbst hatte von weltweit 22.000 Stellen gesprochen, die voraussichtlich abgebaut werden müssten. Etwa die Hälfte dieser Jobs würde auf Deutschland entfallen.

In der Corona-Krise stand die Flotte der Lufthansa nahezu komplett am Boden. Allein in den Monaten Januar bis März schnellte der Verlust des Konzerns nach Steuern und Abschreibungen um mehr als 500 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,1 Milliarden Euro hoch. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Pandemie in Europa noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juni 2020 um 20:00 Uhr.

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