Lufthansa-Maschinen am Boden | dpa

Lufthansa-Piloten legen Arbeit nieder Streik legt Flugverkehr weitgehend lahm

Stand: 02.09.2022 17:28 Uhr

Abgesagte Flüge, verwaiste Check-Ins, lange Schlangen an Umbuchungs-Schaltern: Seit Mitternacht läuft der Streik Lufthansa-Pilotinnen und -Piloten. Betroffen von dem eintägigen Ausstand sind 130.000 Passagiere, 800 Flüge fallen aus.

Der ganztägige Streik der Piloten hat den gesamten Lufthansa-Flugbetrieb nahezu stillstehen lassen. An ihren Drehkreuzen strich die Lufthansa 800 Flüge - 130.000 Passagiere sind betroffen.

Am Morgen hatte der Streik planmäßig begonnen, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sagte. Der Ausstand ist dem Vorstandsbeschluss zufolge auf 24 Stunden beschränkt. Unter anderem in Frankfurt am Main und München zeigten die Anzeigetafeln viele gestrichene Lufthansa-Flüge sowohl zu Zielen in Deutschland als auch ins Ausland an. In den Terminals am Frankfurter Drehkreuz war es vergleichsweise ruhig, wie der Betreiber Fraport berichtete. Die meisten Passagiere hatten die Flugabsagen rechtzeitig mitbekommen. An den Service-Schaltern der Lufthansa bildeten sich dennoch lange Schlangen mit Langstrecken-Passagieren, die auf Weitertransport hofften.

Bestreikt werden laut Vereinigung Cockpit ausschließlich die Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen. Die Tochtergesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels. Auch Lufthansa-Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Lufthansa hofft auf schnelle Rückkehr zum Normalbetrieb

Der Ausstand sollte in der Nacht zu Samstag enden, aber auch am Wochenende kann es noch zu einzelnen Flugausfällen oder Verzögerungen kommen. Das gesamte Augenmerk liege darauf, nach Streikende am Samstag wieder einen weitgehend normalen Flugplan anbieten zu können, versicherte ein Sprecher der Airline in Frankfurt. Es handelt sich um das letzte Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel berichtete am Morgen auf tagesschau24 vom Frankfurter Flughafen von langen Schlangen an den Umbuchschaltern. "Lufthansa unternimmt im Moment alles, um Maschinen an die Orte zu bringen, wo sie auch morgen gefragt sind." Abzusehen sei aber, dass es auch morgen noch einzelne Flüge geben werde, die nicht stattfinden.

Gewerkschaft verlangt besseres Angebot

Zu dem Ausstand aufgerufen hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. Sie will im laufenden Tarifstreit ihre Lohnforderungen durchsetzen. Die VC fordert 5,5 Prozent mehr Lohn bis Jahresende und ab Januar 2023 einen weiteren Ausgleich oberhalb der Inflation. Dies bedeutet laut Lufthansa bei einer vorgeschlagenen Laufzeit von zwei Jahren eine Lohnerhöhung um gut 16 Prozent. Zusätzlich verlangt die VC eine neue Gehaltstabelle mit höheren Grundvergütungen und mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub oder Schulungen. In Summe würden diese Forderungen laut Lufthansa die Personalkosten um rund 900 Millionen Euro erhöhen.

Cockpit: "Jetzt geht es nur noch mit gewissem Druck"

Der Cockpit-Vorsitzende Marcel Gröls bedauerte im Gespräch mit tagesschau24 zwar den Zeitpunkt des Streiks zum Ende der Sommerferien einiger Bundesländer. Andererseits betonte er, man habe in mehreren Runden mit Lufthansa versucht, zu einer Übereinkunft zu kommen. Man sei nun an einem Punkt, an dem es nur noch "mit einem gewissen Druck" gehe, so Gröls. Pilotinnen und Piloten sei während der Hochphase der Coronavirus-Pandemie teils mit Kündigung gedroht worden - das habe Auswirkungen auf die Stimmung im Unternehmen.

Wann beide Parteien sich wieder zu Verhandlungen zusammentun, hängt laut Gröls jetzt von der Lufthansa ab. Cockpit erwarte ein deutlich verbessertes Angebot von dem Unternehmen.

Lufthansa scheitert mit Antrag auf Streik-Unterlassung

Derweil scheiterte die Lufthansa vor dem Arbeitsgericht München mit einem Antrag auf einstweilige Unterlassung des Streiks. Die Fluggesellschaft hatte laut Gericht am Freitag argumentiert, dass die Forderung nach einer Erhöhung der Tarifgehälter mittels eines automatischen Inflationsausgleiches ein rechtswidriges Streikziel sei. Dem folgte das Gericht nicht, die Durchführung des Streiks wurde nicht untersagt.

Allerdings betonte die 38. Kammer auch, dass die Forderung der Vereinigung Cockpit nicht unbedenklich sei. "Jedoch hätte die Deutsche Lufthansa AG ihre rechtlichen Bedenken während der bisherigen Verhandlungen äußern müssen, damit über diesen Punkt Gespräche hätten geführt werden können." Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung zum Landesarbeitsgericht München ist möglich.

Lufthansa fehlt "jedes Verständnis" für Streikaufruf

Vor Streikbeginn hatte die Lufthansa gesagt: Es fehle "jedes Verständnis" für den Streikaufruf. Der Konzern kritisierte die "massiven Auswirkungen", weil der Streik "in der Hauptrückreisezeit zum Ende der Schulferien in mehreren Bundesländern" stattfindet.

Erst im Juli hatte die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline für einen ganzen Tag nahezu lahmgelegt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2022 um 12:00 Uhr.