Lufthansa-Chef Spohr | Bildquelle: REUTERS

Staatshilfen für die Lufthansa Spohrs Schmerzgrenze

Stand: 28.04.2020 13:20 Uhr

Eine Million Euro pro Stunde: So viel Verlust macht die Lufthansa in der Corona-Krise. Seit Tagen wird über Staatshilfen diskutiert. Doch die Bedingungen dafür könnten Airline-Chef Spohr zu hart sein - er denkt über Alternativen nach.

Bis zu zehn Milliarden Euro braucht die Lufthansa, um durch die Corona-Krise zu kommen. Der Staat wäre bereit zu helfen, doch nicht ohne Bedingungen. Zu denen äußerte sich in einem Interview nun Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Man könne einen Konzern nur sehr schwer steuern, wenn mehrere Regierungen Einfluss auf operative Geschäftsaufgaben nehmen wollten, warnte er in der "Zeit".

Der Luftverkehr sei zwar immer politisch gewesen, aber es dürfe nie eine politisch verordnete Frage werden, "ob wir von München oder von Zürich aus nach Osaka fliegen", sagte der Vorstandschef und warb um Vertrauen in die unternehmerischen Entscheidungen seines Managements.

Welchen Einfluss soll der Staat haben?

Hintergrund der Äußerung ist ein Medienbericht, dem zufolge die Bundesregierung im Gegenzug für Finanzhilfen eine Sperrminorität und ein bis zwei Aufsichtsratsmandate fordert. Noch laufen die Gespräche zwischen Lufthansa und Bundesregierung - strittig ist der künftige Einfluss des Staates.

Sollten die Forderungen der Politik als zu weitreichend erscheinen, denkt die Konzernleitung offenbar auch über Alternativen nach - etwa ein Schutzschirmverfahren. Entsprechende Informationen der Gewerkschaft Ufo bestätigte ein Unternehmenssprecher.

Ein solches Schutzschirmverfahren hat bereits der Ferienflieger Condor durchlaufen. Das Unternehmen wird in diesem Fall unter die Aufsicht eines Sachwalters gestellt und könnte unter dem bisherigen Management die Sanierung angehen. Oft mündet das Schutzschirmverfahren aber nach drei Monaten in eine reguläre Insolvenz. Die Aktionäre würden dann aller Voraussicht nach leer ausgehen. Unter dem Schutzschirm des Insolvenzrechts könnte sich die Lufthansa eines Teils ihrer Schulden und der Pensionslasten entledigen.

Laut Ufo soll Lufthansa-Chef Spohr intern erklärt haben, dass er das Unternehmen lieber in die Insolvenz in Form eines Schutzschirmverfahrens führe, als sich von der Politik reinreden zu lassen.

Lufthansa-Maschinen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld | Bildquelle: OLIVER LANG/EPA-EFE/Shutterstock
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Lufthansa-Maschinen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld

Milliarden-Verluste

Die Lufthansa ist wegen der massiven Flugabsagen in der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Der Konzern hatte vergangene Woche erklärt, dass man sich nicht mehr aus eigener Kraft retten könne.

Allein im ersten Quartal summierte sich der operative Verlust auf mehr als eine Milliarde Euro, für das zweite Quartal rechnet der Konzern noch mit einem "erheblich höheren" Verlust. Der Konzern befindet sich nach eigenen Angaben mit den Regierungen von Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien "in intensiven und konstruktiven Gesprächen".

Schwierige Gespräche über Lufthansa
Torsten Huhn, ARD Berlin
28.04.2020 13:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR5 am 28. April 2020 um 14:03 Uhr.

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