Ein Flugzeug der Airline ITA beim Landeanflug. | picture alliance / NurPhoto

Gespräche mit der Lufthansa ITA-Übernahme rückt näher

Stand: 09.12.2022 15:11 Uhr

Die Lufthansa könnte Medienberichten zufolge schon bald die italienische Fluglinie ITA übernehmen - im zweiten Anlauf. Die Verhandlungen befinden sich offenbar auf der Zielgeraden.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Lufthansa befindet sich offenbar in weit fortgeschrittenen Verhandlungen zur Übernahme der staatlichen italienischen Airline ITA. Das Ziel sei eine Absichtserklärung zu dem Geschäft noch bis Ende des Jahres, berichtet Italiens größte Zeitung "Corriere della Sera" unter Berufung auf Regierungskreise. Bereits seit Wochen befindet sich die deutsche Fluggesellschaft in intensiven Verhandlungen mit der Alitalia-Nachfolgerin ITA, die sich nach ihrer Gründung im vergangenen Jahr noch zu 100 Prozent im Besitz des italienischen Staates befindet. Mitte der Woche war ITA-Chef Antonino Turicchi zu einem Gespräch mit dem Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Spohr in Frankfurt.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Besonders wichtiger Auslandsmarkt

Die deutsche Fluggesellschaft bekundet seit Jahren ihr Interesse an einer Präsenz in Italien. Laut Spohr ist Italien für die Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA. Bislang aber hat es mit einer Übernahme zunächst der Alitalia und jetzt der ITA nie geklappt - unter anderem, weil die Lufthansa immer darauf bestanden hat, dass der italienische Partner komplett privatisiert wird.

Einen möglichen Einfluss der italienischen Politik auf das operative Fluggeschäft sah und sieht man bei der Lufthansa skeptisch. Italiens neuer Finanz- und Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti, der das Verkaufsdossier der ITA in der Hand hat, ist jetzt offensichtlich bereit, grünes Licht zu geben für eine weitgehende Privatisierung. Der Lega-Politiker gilt seit Jahren als ein Befürworter eines Einstiegs der Lufthansa.

Wird Trenitalia Teil des Geschäfts?

Ein Privatisierungsversuch der ITA unter der alten Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi war noch spektakulär gescheitert. Die Lufthansa hatte hier nicht den Zuschlag bekommen, sondern der Finanzinvestor Certares, hinter dem unter anderem die US-Fluggesellschaft Delta steht. In der von der italienischen Regierung damals gesetzten Frist aber kam dann keine Einigung zustande.

Aktuell verhandelt ITA exklusiv mit der Lufthansa. Eine Option für Rom ist laut "Corriere della Sera", dass die deutsche Fluggesellschaft die Mehrheit an ITA übernimmt und als Partner die staatliche italienische Bahngesellschaft Trenitalia dazuholt. Weder die Lufthansa noch die ITA wollten zu den Medienberichten Stellung nehmen.