Lange Warteschlangen im Düsseldorfer Flughafen | dpa

Lufthansa-Chef entschuldigt sich Flugchaos wohl noch den ganzen Sommer

Stand: 28.06.2022 15:01 Uhr

Warteschlangen, Verspätungen und Annullierungen strapazieren derzeit die Geduld von Flugreisenden. Lufthansa-Chef Spohr entschuldigte sich nun - machte aber auch klar: Eine rasche Besserung sei nicht zu erwarten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Passagiere auf weitere Schwierigkeiten im Flugverkehr eingestimmt. Nach dem Hochfahren des Luftverkehrs nach der Corona-Pandemie von fast Null auf knapp 90 Prozent könne die Branche nicht die gewohnte Verlässlichkeit, Robustheit und Pünktlichkeit liefern, schrieb Spohr in einem offenen Brief des Konzernvorstands an die Kunden:

Wir können uns dafür bei Ihnen nur entschuldigen und wollen dabei auch ganz ehrlich sein: In den nächsten Wochen mit weiter steigenden Passagierzahlen, ob Urlaub oder Geschäftsreisen, wird sich die Situation kurzfristig kaum verbessern.

Zwar plane die Branche allein in Europa mehrere tausend Neueinstellungen. "Dieser Kapazitätsaufbau wird sich allerdings erst im kommenden Winter stabilisierend auswirken können." Der Manager räumte ein, dass auch dem Lufthansa-Konzern in einigen Bereichen Personal fehle. Ab dem kommenden Sommer will der Konzern wieder die zwischenzeitlich stillgelegten Großflugzeuge vom Typ A380 einsetzen.

"An der ein oder anderen Stelle übertrieben"

In einem weiteren Schreiben an die Belegschaft räumte Spohr ein, die Lufthansa habe bei der Rettung des Unternehmens in den vergangenen zwei Jahren auch Fehler gemacht. "Haben wir es unter dem Druck der mehr als zehn Milliarden Euro Pandemie-bedingten Verluste mit dem Sparen an der ein oder anderen Stelle übertrieben? Sicher auch das." Spohr betonte zudem die Ausnahmesituation: "Ganz offen gesagt: Es war auch für unsere Führungsmannschaft und mich persönlich die erste zu bewältigende Pandemie."

Die ohnehin bestehenden Personalengpässe bei den Fluggesellschaften und Flughäfen werden durch die hohen Corona-Neuinfektionen derzeit noch verschärft. Europaweit streichen Airlines Flüge, um das überforderte System zu entlasten. Allein die Lufthansa nimmt über die 900 Streichungen im Juli hinaus weitere 2200 Verbindungen im Sommer an den Drehkreuzen Frankfurt und München aus dem Flugplan. Dies soll vor allem innerdeutsche und europäische Flüge betreffen, nicht aber die zur Ferienzeit gut ausgelasteten klassischen Urlaubsziele.

Ampel-Politiker kritisieren Luftfahrtbranche

Politiker der Ampel-Koalition kritisierten unterdessen die Arbeitgeber der Branche. "Gut gelaufen ist das ganz offensichtlich bei den verantwortlichen Unternehmen nicht", sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing im TV-Sender Welt. Er stelle sich die Frage, warum die Unternehmen das sich andeutende Personalproblem nicht früh genug angepackt hätten.

Die Fachkräftesicherung sei "ja kein Thema, das jetzt neu wäre, sondern das wissen eigentlich alle, dass das eine der wichtigsten Aufgaben ist", so der FDP-Politiker. Derzeit gebe es eine "wirklich unzufriedenstellende" Situation. "Dass ausgerechnet jetzt der Flugverkehr nicht funktioniert - also, mich ärgert das auch."

SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Katja Mast forderte die Firmen auf, die Sache in den Griff zu bekommen. Betroffene Passagiere ermunterte sie, ihre Rechte wahrzunehmen. Es sei "absolut verständlich", dass sich die Menschen auf den Sommerurlaub freuten - "umso ärgerlicher, wenn der verdiente Urlaub dann im Frust endet", sagte sie.

Ver.di fordert Eurowings zu Krisengipfel auf

Die Gewerkschaft ver.di forderte die Lufthansa-Tochter Eurowings zu einem kurzfristigen Krisengipfel auf. "Die stark zurückkehrende Reiselust in Kombination mit starkem Personalabbau führen zu einer enormen körperlichen und psychischen Belastung der Beschäftigten", beklagte die Gewerkschaft.

Am Mittwoch wird die Lage auch Thema bei einem Gespräch zwischen Flughafenbetreibern, Bundespolizei sowie weiteren Behörden und Dienstleistern sein. Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach es sich um ein "Krisentelefonat" handele, wies eine Sprecherin des Flughafenverbands ADV aber zurück. Es handele sich vielmehr um einen normalen und regelmäßigen Austausch der Beteiligten, sagte sie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2022 um 13:00 Uhr.