Flugzeuge der Lufthansa stehen geparkt auf den Frankfurter Flughafen. | Bildquelle: dpa

Streit mit Großaktionär Scheitert das Paket für die Lufthansa?

Stand: 17.06.2020 12:30 Uhr

Gut eine Woche vor der Abstimmung warnt die Lufthansa vor einem Scheitern des milliardenschweren Rettungspakets. Hintergrund sind Äußerungen von Großaktionär Thiele, der eine Beteiligung des Staates ablehnt.

Das milliardenschwere Rettungspaket könnte bei einer Blockade durch den Großaktionär Heinz Hermann Thiele nach Ansicht der Lufthansa noch scheitern. Angesichts der Kritik Thieles sei es möglich, dass das Stabilisierungspaket auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlen könnte, erklärte das Unternehmen.

"Dies würde bedeuten, dass die Deutsche Lufthansa AG möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt", hieß es weiter. Der Vorstand appelliere an alle Aktionäre, ihr Stimmrecht wahrzunehmen.

Scharfe Kritik an Einstieg des Staates

Thiele war im März bei der Fluglinie eingestiegen und hatte zunächst einen Anteil von zehn Prozent erworben. Der Aktienkurs der Lufthansa war zu diesem Zeitpunkt durch die Corona-Krise schon stark gesunken. Seinen Anteil baute er danach schrittweise aus und überschritt zu Wochenbeginn die meldepflichtige Grenze von 15 Prozent. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kritisierte er nun das bis zu neun Milliarden Euro schwere staatliche Finanzpaket für die Lufthansa in der Corona-Krise.

Thiele lehnt vor allem die geplante Beteiligung des Staates in Höhe von 20 Prozent ab. Für diese ist eine Kapitalerhöhung notwendig, die wiederum den Wert seines Aktienpakets schmälern würde. "Die Lufthansa braucht für Sanierung und Gesundung keine Staatsbeteiligung", sagte der Unternehmer dem Blatt.

Er kritisierte weiter, Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe nicht intensiv genug mit dem Staat verhandelt. Die Aktionäre seien "überfallartig" damit konfrontiert worden, dass sie durch die Kapitalerhöhung für den Staatseinstieg einen Wertverlust ihres Eigentums akzeptieren müssten und der Bund durch den niedrigen Einstiegskurs zum Profiteur werde.

Thiele genügt Finanzhilfe durch den Staat

Thiele geht davon aus, dass die Politik bei einem Abbau Tausender Arbeitsplätze durch "umfangreicheren sozialen" Ausgleich die Sanierung der Lufthansa erschweren wird. Der Staat solle sich auf die Finanzhilfe beschränken und nicht in die Rolle eines renditeorientierten Investors hineinwachsen.

Als Kompromiss schlug Thiele eine indirekte Staatsbeteiligung über die Förderbank KfW vor. Auch eine Insolvenz der Lufthansa dürfe man nicht ausschließen.

Der Großaktionär könnte mit seinem 15-Prozent-Anteil bei einer geringen Präsenz auf der Hauptversammlung eine Zustimmung verhindern. Um das Rettungspaket war wochenlang gerungen worden. Die EU-Kommission verlangt für ihre wettbewerbsrechtliche Freigabe, dass die Lufthansa Start- und Landerechte an den Drehkreuzen Frankfurt und München abgeben muss.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2020 um 12:10 Uhr.

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