Ein Passagier steht auf dem Flughafen Köln/Bonn vor einer Anzeigetafel, die nur gestrichene Flüge anzeigt | dpa

Luftfahrtbranche will Staatshilfe "Halbes Jahrhundert zurückgeworfen"

Stand: 05.05.2020 15:24 Uhr

Auch die Luftfahrtindustrie sieht sich angesichts der Corona-Krise in einer historisch dramatischen Lage. Der Staat müsse helfen. Schon bald von einem staatlichen Rettungspaket profitiert möglicherweise die Lufthansa.

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie sieht sich wegen der Corona-Pandemie in ihrer schwerste Krise. Sie fordert umfangreiche Hilfen der öffentlichen Hand. Über 100.000 High-Tech-Arbeitsplätze in Deutschland seien in Gefahr, erklärte der Branchenverband BDLI: "Die Lage ist dramatisch. Wir sind über Nacht ein halbes Jahrhundert zurückgeworfen worden, was Reisen und internationalen Austausch anbetrifft", sagte Verbandspräsident Dirk Hoke, der auch Airbus-Manager ist.

Vizepräsident Reiner Winkler sagte, erst 2022 oder 2023 würden wieder so viele Menschen fliegen wie vor der Krise. Damals seien rund 227 Millionen Passagiere mit dem Flugzeug befördert worden.

Die meisten Fluggesellschaften flögen derzeit nur mit einem Bruchteil ihrer Flotte oder ließen diese vollständig am Boden, sagte Hoke weiter. Nur rund sieben Millionen Passagiere verzeichneten die Flughäfen in Deutschland im März. Das waren allein in diesem Monat mehr als 60 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres, wie aus Daten des Flughafenverbands ADV hervorgeht.

"Diese Unternehmen bluten aus"

Die Hersteller- und Zulieferbranche im Luftverkehr forderte zudem weitere Unterstützung vom Staat. "Wir brauchen Exportbürgschaften sowie Finanzierungsunterstützung für den Absatz", betonte Winkler und warb für eine Erweiterung der Exportgarantien durch das Bundeswirtschaftsministerium.

"Diese mittelständisch geprägten Unternehmen bluten in einem noch nie dagewesenen Tempo finanziell aus", warnte BDLI-Vizepräsident Arndt Schoenemann. Der Umsatz der Zulieferer dürfte 2020 um rund ein Drittel einbrechen. Die Bundesregierung habe mit ihren Hilfspaketen wie dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF vieles richtig gemacht, sagte BDLI-Chef Hoke, trotzdem seien weitere Maßnahmen notwendig. Im Zusammenspiel mit dem Staat gehe es darum, dass die Branche international konkurrenzfähig bleibe.

Hoke schlug staatliche Anreize für Fluggesellschaften vor, nach der Krise alte Maschinen auszumustern und neue anzuschaffen: "Wir dürfen ökologisch effizientes Fliegen in der Krise nicht aus den Augen verlieren."

Carsten Spohr | dpa

Niemand bei der Lufthansa wolle die Gespräche mit der Bundesregierung über Hilfen scheitern lassen, sagte Konzernchef Spohr auf der Hauptversammlung. Bild: dpa

Spohr sieht Gespräche über Staatshilfe vor Abschluss

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich auf der Online-Hauptversammlung des Konzerns zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit der Bundesregierung über ein Rettungspaket "in Kürze zu einem erfolgreichen Abschluss" führen werden. Niemand im Unternehmen habe ein Interesse daran, "dass diese Gespräche scheitern", versicherte Spohr. In den Verhandlungen geht es Presseberichten zufolge um ein Paket in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro.

Spohr sagte vor den Aktionären, es sei "juristisch aus Gründen der unternehmerischen Vorsicht geboten", auch die Insolvenz oder ein Schutzschirmverfahren zu prüfen. Man sei aber davon überzeugt, dass man wegen der Gespräche mit der Bundesregierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müsse.

Umstritten ist in der Politik, ob und wenn ja welche Mitspracherechte der Staat für eine Milliardenhilfe bei der Lufthansa bekommen soll. Spohr selbst hatte vor einem zu großen Staatseinfluss auf sein Unternehmen gewarnt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Mai 2020 um 14:35 Uhr.