Ein Handwerker mit Arbeitshandschuh hält einen Fünf-Euro-Schein und ein paar Münzen in der Hand. | dpa

30 Jahre nach Wiedervereinigung Löhne im Osten noch immer viel niedriger

Stand: 14.03.2021 14:12 Uhr

Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung kann von gleichen Einkommenschancen in Deutschland keine Rede sein. Noch immer sind die Lohnunterschiede zwischen Ost und West groß. In einigen Branchen ist das Gefälle besonders stark.

Die Löhne im Osten Deutschlands hinken den Einkommen im Westen in einigen Branchen noch immer stark hinterher. Der größte Unterschied besteht bei der Herstellung von Bekleidung - hier verdienen Vollzeitbeschäftigte im Westen 73 Prozent mehr als im Osten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Insgesamt erhielten sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte 2019 im Westen ein mittleres Einkommen von 3526 Euro brutto, in Ostdeutschland waren es 2827 Euro. Das Entgelt in Westdeutschland lag somit um 24,7 Prozent höher als das der Ostdeutschen.

Große Unterschiede in technischen Berufen

In absoluten Zahlen bestehen die größten Unterschiede im Auto-, Motoren-, Karosserie-, Anhänger- und Autoteilebau. In diesem Bereich lag das Einkommen 2019 im Westen bei 5354 Euro brutto, im Osten bei 3690 - eine Differenz von 1664 Euro. Somit wurde im Westen 45,1 Prozent mehr verdient.

Eine deutliche Kluft zeigt sich auch im Maschinenbau (43,8 Prozent), der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (43,4 Prozent), im sonstigen Fahrzeugbau (29,9 Prozent) und der Herstellung chemischer Erzeugnisse (27,1 Prozent).

Linke fordert Angleichung von Arbeitsbedingungen

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage an die Bundesregierung gestellt hatte, sagte: "Die Spaltung am Arbeitsmarkt hält auch über 30 Jahre nach der Wende an." Nötig seien eine Stärkung von Tarifverträgen und Tarifbindung, die im Osten deutlich schwächer ausgeprägt seien als im Westen.

Ausdrücklich unterstützte Zimmermann die Forderung der IG Metall, die in der laufenden Tarifrunde in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie eine Ost-West-Angleichung bei den Arbeitsbedingungen schaffen will.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 27. September 2020 um 18:05 Uhr im "Bericht aus Berlin".