Ein Fernseher der Marke Loewe | Bildquelle: dpa

Fernsehhersteller Loewe stellt Betrieb ein

Stand: 25.06.2019 16:48 Uhr

Dem Fernsehhersteller Loewe ist das Geld ausgegangen. Die Gläubiger waren nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zu geben. Deshalb stellt das Unternehmen zum Wochenende kurzfristig den Betrieb ein.

Der oberfränkische Fernsehhersteller Loewe ist pleite und will zum Wochenende kurzfristig den Betrieb einstellen. Dem Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen, wie aus einer Mitteilung der Geschäftsführung hervorging.

Demnach waren die Gläubiger nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zur Fortsetzung des Betriebs zu geben. "Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01.07.2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen", erklärte Geschäftsführer Ralf Vogt in seiner Stellungnahme.

Mitarbeiter werden freigestellt

Den mehr als 400 Beschäftigten droht zum größten Teil der Verlust ihrer Arbeitsplätze. "Wir haben den Mitarbeitern heute in der Betriebsversammlung mitgeteilt, dass sie zum 01.07. freigestellt werden, bis auf eine Kernmannschaft, um den Investorenprozess voranzutreiben", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß. Die Kernmannschaft bezifferte er auf zehn bis fünfzehn Mitarbeiter.

An einer Wand hängt das Logo des Fernsehherstellers Loewe | Bildquelle: dpa
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Das Loewe-Werk in Kronach im Jahr 2013: Das Unternehmen beschäftigt heute 400 Mitarbeiter.

Damit hat sich die Krise bei dem 1923 gegründeten einstigen Pionier der Fernsehtechnik dramatisch verschärft. Anfang Mai 2019 beantragte Loewe bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenregie. Mittlerweile ist mit dem Bayreuther Anwalt Weiß aber ein regulärer Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Geschäftsführung hofft nach wie vor auf einen Investor, der das Unternehmen retten könnte.

Schon lange hatte Loewe mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Die britische Investmentgesellschaft Riverrock stieg in das Unternehmen ein.

Konflikt mit IG Metall

Zudem gibt es einen schweren Konflikt zwischen Loewe und der IG Metall. Die Gewerkschaft war Anfang der Woche auf Konfrontationskurs gegangen und hatte das Vorgehen der Geschäftsführung scharf kritisiert. "Die IG Metall ist entsetzt über die aktuellen Entwicklungen", sagte der bayerische Bezirksleiter Jürgen Horn und warnte bereits vor der Stilllegung. Das ist ein bei Unternehmenskrisen sehr ungewöhnliches Vorgehen der einflussreichen Gewerkschaft, das auf das Ausmaß des Konflikts schließend lässt.

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Horn macht Riverrock für die Verschärfung der Krise verantwortlich: Laut IG Metall hat Riverrock Loewe in der Vergangenheit bereits mit einem zweistelligen Millionendarlehen ausgeholfen, ist nun aber nicht bereit, einen weiteren Kredit zu geben. "Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen", hatte Horn in seiner Stellungnahme gesagt. Eine Reaktion von Loewe oder Riverrock auf die Kritik gibt es bislang nicht.

Aus für TV-Hersteller Loewe
Andi Ebert, BR
25.06.2019 16:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Juni 2019 um 14:06 Uhr.

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