Die Seniorin Maria Hesemann-Peters wird im Impfzentrum in den Emslandhallen von Notfallsanitäter Bernd Rode vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus geimpft.  | dpa

Mehr Lieferungen erwartet Löst sich der Impfstau im April auf?

Stand: 30.03.2021 18:57 Uhr

Kleiner Lichtblick für Millionen Deutsche: Nach dem schleppenden Start kommt die Impfkampagne in Fahrt. Im April werden mehr als 15 Millionen Impfstoffdosen erwartet. Die meisten liefert BioNTech.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Schimpfen statt Impfen: Wochenlang hagelte es zuletzt in der deutschen Öffentlichkeit Kritik am Impfchaos wegen überlasteter Hotlines, fehlender Termine und leerer Impfzentren. Während Israel, Großbritannien und die USA beim Impfen schon sehr weit sind, erhielt bislang nur etwa jeder zehnte Deutsche einen rettenden Pieks in den Oberarm. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurden bis Ende März rund 9,2 Millionen Bundesbürger mindestens einmal geimpft. Lediglich vier Millionen bekamen auch die zweite Dosis verabreicht, die den vollen Schutz gewährleistet.

Mehr Tempo nach Ostern

Nach Ostern soll nun aber das Impftempo beschleunigt werden, wenn auch nur langsam. Vom 5. April bis 1. Mai werden 15,3 Millionen Impfdosen hierzulande erwartet - also mehr, als in den ersten drei Monaten des Jahres verteilt wurden. In der ersten Aprilwoche soll die Menge auf 3,5 Millionen erhöht werden. Bis Ende April soll sie dann auf rund 5,5 Millionen klettern.

Für das zweite Quartal plant die Bundesregierung mit gut 77 Millionen Impfdosen. Im dritten Jahresviertel soll die Menge auf 126,6 Millionen Dosen erhöht werden, wenn ein zweiter Vertrag mit Moderna greift. Im Schlussquartal wird dann nochmals mit 100 Millionen Dosen kalkuliert.

Neben den Impfzentren werden künftig auch die Arztpraxen die lebensrettenden Vakzine spritzen. In der Osterwoche sollen es noch etwa 20 Dosen pro Praxis sein, bis Ende April dann deutlich mehr.

BioNTech spielt die Schlüsselrolle

Die wichtigste Rolle bei der nationalen Impfstrategie spielt weiterhin BioNTech. Das Unternehmen aus Mainz, das im Dezember kurz vor Weihnachten grünes Licht in der EU für die Zulassung seines Vakzins erhielt, stellt Deutschland fast 99 Millionen Dosen in diesem Jahr zur Verfügung. Im April werden die Mainzer gut zehn Millionen Dosen an die Impfstoffzentren und Arztpraxen liefern. Hinzu kommen 580.000 zusätzliche Dosen für die Grenzregionen zu Frankreich, zur Tschechischen Republik und nach Tirol.

Neuen Schub wird die in Betrieb genommene Anlage im hessischen Marburg geben. Dort werden künftig jährlich eine Milliarde Impfstoffe produziert. Noch im ersten Halbjahr 2021 will das Unternehmen 250 Millionen Dosen herstellen.

Wie verlässlich ist AstraZeneca?

Zweitwichtigster Impfstofflieferand hinter BioNTech soll im zweiten Quartal AstraZeneca werden. Der britisch-schwedische Konzern stockt im April sukzessive seine Lieferungen von 482.000 Dosen in der Osterwoche auf mehr als zwei Millionen Dosen in der letzten Aprilwoche auf. Fraglich ist allerdings, ob dieses Ziel tatsächlich eingehalten wird - und ob sich die Bürger mit dem Stoff auch impfen lassen wollen. Nach einer Reihe von Thrombose-Fällen hat die Ständige Impfkommission abermals die Notbremse gezogen und empfiehlt das Vakzin nun lediglich noch für Menschen, die älter sind als 60 Jahre.

AstraZeneca selbst hatte sein Lieferversprechen im Januar gebrochen. Weniger als die Hälfte der zugesagten Impfdosen hat das Unternehmen im ersten Quartal an die EU ausgeliefert. Brüssel reagierte verärgert. Deutschland dürfte Schätzungen zufolge in den ersten drei Monaten des Jahres nur rund 3,4 der geplanten 5,6 Millionen Dosen erhalten haben. Insgesamt hat die Bundesregierung im Rahmen des Vertrags mit der EU 56,3 Millionen Dosen bei AstraZeneca bestellt.

Moderna springt in die Bresche

So dürfte Moderna als weiterer Pfeiler in der deutschen Impfstrategie zunehmend ins Rampenlicht rücken. Der US-Hersteller wird im April insgesamt zwei Millionen Dosen zur Verfügung stellen. Insgesamt hat sich Deutschland rund 50 Millionen Dosen bei Moderna gesichert.

Große Hoffnungen ruhen auch auf Johnson & Johnson. Das Vakzin des US-Konzerns dürfte in der zweiten Hälfte des Monats April in die Impfstoffzentren kommen. Es ist der vierte Impfstoff, der den Bundesbürgern dann zur Verfügung steht. Die Bundesregierung hat insgesamt 36,7 Millionen Dosen von Johnson & Johnson geordert.

Noch immer nicht zugelassen ist der zweite deutsche mRNA-Impfstoff von CureVac. Die Tübinger Firma rechnet für Ende Mai oder Juni mit grünem Licht aus der EU. Für 2021 plant Deutschland mit knapp 25 Millionen Dosen von CureVac.

Das große Versprechen

Ziel der Bundesregierung ist es, bis Ende Juni allen Deutschen ein Impfstoffangebot zu machen. Bis Ende September, also bis zur Bundestagswahl, sollen dann alle Bundesbürger, die es wollen, geimpft sein. Damit dieses Kalkül der Merkel-Regierung aufgeht, muss das Impftempo im dritten Quartal nochmals deutlich erhöht werden.

Neue Impfungen gegen Mutationen?

Ungewiss bleibt, ob die Impfstoffe von BioNTech, Moderna, AstraZeneca & Co. auch gegen Mutationen des Coronavirus helfen, insbesondere die hochgefährliche brasilianische Mutante. Der gerade erst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete BioNTech-Chef Ugur Sahin beruhigt: Sein Unternehmen könne schnell reagieren und innerhalb von wenigen Wochen weiterentwickelte Impfstoffe erstellen und sie an die Mutationen anpassen.

Wie Sahin heute auf einer Analysten-Konferenz zu den Jahreszahlen des Unternehmens erklärte, laufen inzwischen Studien, um die Wirksamkeit des Impfstoffs bei den neueren Corona-Mutationen genauer zu prüfen. Sahin hält Auffrischungsimpfungen für möglich. Bisher ist der BioNTech/Pfizer-Impfstoff in mehr als 65 Ländern zugelassen. Mehr als 1,4 Milliarden Dosen seien weltweit bestellt, teilte BioNTech heute mit.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 30. März 2021 um 19:06 Uhr.