Möglicher Standort für LNG-Terminal in Wilhelmshaven | picture alliance/dpa

Anlage in Wilhelmshaven Erstes LNG-Terminal kommt schneller

Stand: 11.04.2022 16:22 Uhr

Mit Flüssiggas-Anlagen will sich Deutschland unabhängiger von russischem Erdgas machen. Der erste schwimmende LNG-Terminal könnte in Wilhelmshaven ans Netz gehen - möglicherweise noch Ende des Jahres.

Die Stadt Wilhelmshaven an der Nordseeküste hat gute Chancen, zum ersten Knotenpunkt für die von der Bundesregierung angestrebten Flüssiggas-Lieferungen an den geplanten neuen LNG-Terminals zu werden. Bereits Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2023 könnte in Wilhelmshaven das erste schwimmende LNG-Terminal fertig werden und ans Netz gehen. Bisher gibt es in Deutschland noch keine Flüssiggas-Terminals. Das soll sich aber ändern, um so schnell wie möglich die Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland zu verringern.

Ein Fünftel der russischen Gasimporte könnte ersetzt werden

Schon zum Jahreswechsel könnten über das geplante Terminal in Wilhelmshaven rund neun Milliarden Kubikmeter Gas bezogen werden. Das wären fast 20 Prozent der jährlichen russischen Gasimporte, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies kürzlich.

Betreiben will das erste schwimmende LNG-Terminal in Deutschland der Energiekonzern Uniper. Das Projekt hatten die Düsseldorfer schon länger geplant. Im vergangenen Jahr war es dann jedoch zunächst beerdigt worden.

Pipeline bis Etzel geplant

Nur 28 Kilometer vom geplanten LNG-Terminal entfernt liegen Erdgasübertragungsleitungen und der Erdgasspeicher in Etzel, der ebenfalls von Uniper betrieben wird. Um das Flüssiggas von Wilhelmshaven bis dorthin zu bringen, soll die Open Grid Europe eine Pipeline errichten. Normalerweise würde der Bau einer Pipeline dieser Länge fünf bis sieben Jahre dauern. "Jetzt brauchen wir das zehnfache Tempo", sagte Thomas Hüwener, Geschäftsführer von Open Grid Europe, der "Bild"-Zeitung. Aber es sei machbar.

Drei schwimmende LNG-Terminals in der Diskussion

Insgesamt sind derzeit drei schwimmende LNG-Anlagen deutschlandweit geplant. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Uniper und RWE beauftragt, die Anmietung von drei Terminals dieser Art zu organisieren. Jede dieser Plattform soll nach Angaben des niedersächsischen Umweltministers Lies acht bis neun Milliarden Kubikmeter Gas umschlagen. Zusammen brächten es die Anlagen so auf bis zu 27 Milliarden Kubikmeter Gas, die ausreichen würden, um rund die Hälfte der russischen Erdgaslieferungen zu ersetzen.

Neben Wilhelmshaven kommen Stade und Brunsbüttel als Standorte für die mobilen LNG-Terminals in Frage. Auch Hamburg prüft den kurzfristigen Einsatz einer schwimmenden Anlage im Hafen der Hansestadt. Entscheidend für die Standortauswahl ist die Anbindung an das Ferngasnetz.

Mindestens zwei feste LNG-Terminals bis 2025

Die provisorischen schwimmenden LNG-Terminals sollen ab 2025 durch feste Anlagen an Land ersetzt werden. So hat die Bundesregierung als Reaktion auf den Ukraine-Krieg den schnellen Bau zweier stationärer LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel angekündigt. Die belgische Investorengruppe TES plant, bis 2024 einen Anlandeplatz für LNG im Rahmen eines "Green Energy Hubs" aufzubauen. In Brunsbüttel will die German LNG Terminal GmbH die Errichtung einer LNG-Anlage vorantreiben. Der niederländische Gasnetzbetreiber Gasunie, der RWE-Konzern und auch die staatliche Förderbank KfW haben ihr Interesse signalisiert, sich an dem Vorhaben zu beteiligen.

Auch im niedersächsischen Stade laufen die Planungen für einen LNG-Terminal der Hanseatic Energy Hub GmbH. Der Hafen- und Schiffahrtslogistiker Buss Group, der belgische Pipeline-Betreiber Fluxys und die Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Partners Group wollen sich am Konsortium beteiligen, das am Montag beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg den Antrag auf Genehmigung eines LNG-Terminals am Standort Stade einreichte. Auch der US-Chemiekonzern Dow, der in Stade ein großes Werk betreibt, beteiligt sich an den Plänen und übernimmt nach eigenen Angaben einen Minderheitsanteil. Ende März unterzeichnete der Versorger EnBW bereits eine Absichtserklärung für den Import von drei Milliarden Kubikmeter LNG jährlich über die Anlage in Stade.

Proteste von Umweltschützern

Widerstand gegen die geplanten stationären LNG-Terminals kommt von den Umweltschützern. "Wegen der langen Bauzeiten und des mittelfristig stark rückläufigen Erdgasbedarfs" seien diese Anlagen nicht sinnvoll, meint die umstrittene Deutsche Umwelthilfe. Sie begründet ihre Ablehnung mit einer Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Mehrere Umweltverbände haben kürzlich gegen die deutschen LNG-Pläne in Hamburg demonstriert.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen Aktuell am 08. April 2022 um 12:00 Uhr.