Das Linde-Gasezentrum in Leuna. | picture alliance / dpa

Wertvollster DAX-Konzern Linde will Frankfurter Börse verlassen

Stand: 25.10.2022 08:18 Uhr

Der deutsch-amerikanische Industriegasekonzern Linde will sich von der Frankfurter Börse zurückziehen. Die Titel des Unternehmens sollen künftig nur noch in New York gehandelt werden. Der DAX würde damit sein wertvollstes Mitglied verlieren.

Der derzeit wertvollste Wert im DAX dürfte sich wohl bald aus dem deutschen Leitindex verabschieden. Der Industriegasekonzern Linde, der 2018 mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair fusioniert ist, plant den Rückzug von der Frankfurter Börse. Die Aktien des Münchner Traditionsunternehmens sollen künftig nur noch in New York gehandelt werden. Der Verwaltungsrat des Unternehmens hat gestern Abend entschieden, dies den Aktionären vorzuschlagen.

Die doppelte Börsennotierung in New York und Frankfurt habe nach Ansicht des Linde-Managements einen negativen Einfluss auf die Bewertung, sagte Vorstandschef Sanjiv Lamba dazu. Das letzte Wort sollen aber die Aktionäre haben. Die Linde-Aktie wird bisher an beiden Börsen gehandelt, der Löwenanteil des Börsenhandels findet aber in New York statt.

Die Deutsche Börse würde bei einem Rückzug von Linde ein Schwergewicht und eines der wertvollsten Unternehmen im deutschen Leitindex verlieren. Der Konzern ist mit einem Börsenwert von rund 145 Milliarden Euro der schwerste Wert im DAX. Dahinter folgen mit etwas Abstand der Software-Riese SAP mit einem Börsenwert von 107 Milliarden Euro und die Deutsche Telekom mit einer Marktkapitalisierung von 90 Milliarden Euro.

Doppel-Listing hat Kursentwicklung gebremst

"Wir sind sehr stolz auf unsere reiche Geschichte und starke Präsenz rund um die Welt, einschließlich unserer Herkunft aus Deutschland", sagte Samba, der Linde seit gut einem halben Jahr führt. Das Doppel-Listing habe gute Dienste geleistet, es habe aber aufgrund der Beschränkungen in Europa die Kursentwicklung gebremst.

Linde überschreitet regelmäßig die Kappungsgrenze von zehn Prozent, mit der die Deutsche Börse das Index-Gewicht eines einzelnen DAX-Wertes bei jeder Neuberechnung des Index begrenzt. So lange sich die Aktie besser entwickelt als der DAX, müssen Indexfonds, die den deutschen Leitindex abbilden, immer wieder Linde-Aktien verkaufen. Investoren hatten eine Erhöhung der Kappungsgrenze im Juni abgelehnt. Solche Maximalwerte sind nur bei europäischen Indizes üblich, im S&P-500-Index mit seinen 500 Werten spielen sie keine Rolle.

Keine Auswirkungen auf Mitarbeiter

Der offizielle Firmensitz ist seit der Fusion von Linde und Praxair in Irland, der steuerliche Sitz und das Hauptquartier der Linde plc sind in Woking bei London. Der Rückzug aus Frankfurt soll nach den Plänen des Vorstands bewerkstelligt werden, indem die Linde-Aktionäre ihre Papiere in Aktien einer neuen Dachgesellschaft in Irland tauschen.

Im Falle der Umsetzung der Rückzugspläne würde eine neue Holdinggesellschaft gegründet werden. Auf die Organisationsstruktur, die Mitarbeiter, Kunden oder die Präsenz von Linde habe der Vorschlag keine Auswirkungen, sagte Chef Samba. Deutschland werde "ein wichtiger Markt für uns bleiben".

Die Aktionäre würden für jede Aktie von Linde plc eine Aktie der neuen Holdinggesellschaft erhalten, die an der New Yorker Börse notiert werden solle, hieß es weiter. Anschließend soll der Konzern in Linde umgetauft werden.