Turnschuhe und Sneaker sind in einem Schaufenster zu sehen. | picture alliance/dpa

Engpässe im Mode-Geschäft Wenn der Sneaker nicht lieferbar ist

Stand: 12.01.2022 12:44 Uhr

Das Online-Versandgeschäft gehört zu den großen Profiteuren der Pandemie. Doch auch dort werden die Folgen gestörter Lieferketten spürbar. Wie reagieren die Modehändler darauf?

Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Im Laden sieht man es, wenn der trendige Sneaker nicht da steht oder ganze Teile der Winterkollektion fehlen. Und die Situation erholt sich nur langsam. "Die Lieferengpässe stellen wir nach wie vor fest in der Schuhindustrie", sagt Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie. "Das betrifft alle Bereiche von Leder und Textil bis zu Garnen und Kartonagen. Gerade hier haben wir durch den Papiermangel festgestellt, dass es Probleme gibt." 

Diese Probleme treffen auch den Onlinehandel. Nur dieser kann sie besser verbergen und vor allem steuern - weil das Prinzip des "Longtail" gilt, wie Jörg Funder sagt, Professor für Handel und digitale Transformation an der Fachhochschule Worms: "Das bedeutet, dass das letzte Stück Ware auch immer noch seinen Kunden findet, es muss nur online gestellt werden. Daher haben Onlinehändler die breiteren Sortimente, und daher scheint es nur so, als ob Onlinehändler nicht von Lieferengpässen bedroht wären."

Daten und Logistik helfen

Zudem haben Onlinehändler einen großen Schatz: die Kundendaten. Durch datengetriebene Systeme könne die Nachfrage noch genauer prognostiziert werden, erklärt Frank Düssler, vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. "Die erste Möglichkeit ist, dass man sich rechtzeitig - bevor es alle andere tun - bevorratet mit Waren, die sehr sensibel sind." Die Mitgliedsunternehmen des Verbands hätten in Befragungen zum letzten Weihnachtsgeschäft angegeben, dass sie oftmals diesen Weg gegangen sind. "Da haben uns viele widergespiegelt, dass sie gerade extrem viel in Logistik investieren und auch Logistikmitarbeiter einstellen, damit sie dem ganzen Chaos Herr werden können." 

Außerdem könne der Onlinehandel Kundenströme beeinflussen. Lieferengpässe seien am Ende nichts anderes als Angebots- und Nachfrageschocks am Markt, so der E-Commerce Experte, auf die der Onlinehandel entsprechend reagiert und die er steuert. Onlinehändler versuchen dann, bestimmte Nachfragespitzen zu vermeiden oder sie abzumildern. 

Manche Produkte schwerer zu finden

"Das kann passieren, indem bestimmte Promotions oder Rabattaktionen heruntergefahren werden", sagt Düssler. "Das kann aber auch bedeutet, dass es dem Kunden schwieriger gemacht wird, bestimmte Produkte zu finden, die gerade nicht im Bestand sind oder dass Kunden im Netz weniger Werbung ausgespielt wird." 

Generell gehört der Onlinehandel zu den größten Profiteuren der Pandemie. Zu sehen ist das auch an den Zahlen des deutschen Online-Modehändlers About You. Der konnte seinen Umsatz im dritten Quartal um 48 Prozent auf 512,5 Millionen Euro steigern. Allerdings will das Unternehmen weiter wachsen: About You expandiert in andere Länder und steckt viel Geld ins Marketing. Unter dem Strich bleibt deshalb nur ein Minus - vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen schreibt das Unternehmen Verluste von 30 Millionen Euro.

Ringen um Marktanteile

Strategisch seien die Investitionen jedoch richtig, so Handelsexperte Funder. "About You ist nicht nur Einzelhändler, sondern auch Plattform, an dem sich weitere Unternehmen beteiligen können. Daher ist es in diesen Zeiten durchaus klug, auch Kundenakquise zu betreiben, um mehr Frequenz auf die Website zu bekommen", sagt er. "Es ist durchaus sinnvoll, in Krisenzeiten antizyklisch zu handeln und die Schwäche der Marktteilnehmer auszunutzen und hier Marktanteile hinzuzugewinnen." 

Seit Juni ist das Unternehmen an der Börse, die Mehrheit der Anteile gehört dem Hamburger Versandkonzern Otto. Verglichen mit ihrem Ausgabepreis von 23 Euro hat die Aktie seitdem über ein Fünftel eingebüßt. 

Über dieses Thema berichtete der BR Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am 27. Oktober 2021 um 12:10 Uhr.