Kreditkarten der Unternehmen VISA und Mastercard

Facebooks Digitalwährung Libra verliert weitere Partner

Stand: 12.10.2019 11:08 Uhr

Facebook muss bei seiner umstrittenen Digitalwährung Libra auf weitere Partner verzichten: Neben Ebay und dem Bezahldienst Stripe steigen auch die Branchengrößen Mastercard und Visa aus.

Bei der Vorstellung des Projekts im Sommer hatte der Internetkonzern Facebook gut zwei Dutzend namhafte Gründungspartner präsentiert, doch nun wird es im Aufsichtsgremium für die umstrittene Digitalwährung Libra langsam leer. Die Online-Handelsplattform Ebay und der Online-Bezahldienst Stripe steigen aus der Libra Association aus, die für den Aufbau der weltweiten Währung gegründet worden war. "Wir respektieren die Vision der Libra Association sehr; dennoch hat Ebay beschlossen, als Gründungsmitglied nicht weiterzumachen", hieß es in einer Mitteilung.

Noch schwerer dürfte allerdings die Absage der beiden Kreditkartenriesen Mastercard und Visa wiegen, die im Anschluss ebenfalls ihren Ausstieg erklärten. Die weltbekannten Branchengrößen verliehen Libra mehr Glaubwürdigkeit und hätten zudem mit ihrer Infrastruktur eine wichtige Schnittstelle zur klassischen Finanzwelt bieten können. Vor einer Woche hatte bereits der Online-Bezahldienst Paypal seine weitere Teilnahme abgesagt. Alle Aussteiger ließen zugleich die Tür für eine spätere Unterstützung des Libra-Projekts ausdrücklich offen.

Kritik von mehreren Seiten

Grund für das Abspringen der wichtigen Partner dürften nach Medienberichten die massiven Bedenken sein, die Notenbanken, Aufsichtsbehörden und Politiker geäußert hatten. Nach bisherigen Plänen soll Libra eins zu eins mit einem Korb stabiler Währungen und Staatsanleihen abgesichert werden. Facebook weist zwar Bedenken zurück, wonach die Digitalwährung in die Hoheit von Notenbanken eingreifen könnte. Auch betont der Internetkonzern, dass bei Libra kein neues Geld ausgegeben werde - dies bleibe Staaten vorbehalten.

Aufseher befürchten jedoch, dass der Fonds angesichts der enormen Nutzerzahlen von Facebook zu Verwerfungen auf den Geldmärkten führen könnte. Skeptiker stellen auch in Frage, ob das Projekt ausreichend gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung gewappnet ist. Facebook sicherte bereits zu, Libra erst zu starten, wenn alle Bedenken von Regulierern ausgeräumt sind. Laut bisherigen Ankündigungen will Facebook Libra im kommenden Jahr für Verbraucher verfügbar machen.

Facebook: "Auf gewisse Weise auch befreiend"

Der bei Facebook für das Projekt zuständige David Marcus erklärte, man solle aus dem Abgang der Partner keine Schlüsse über das Schicksal der Digitalwährung ziehen. "Natürlich sind das keine großartigen Nachrichten auf kurze Sicht, aber auf eine gewisse Weise ist das auch befreiend", schrieb Marcus bei Twitter. "Wandel in diesem Maßstab ist hart." Wenn sich soviel Druck aufbaue, sei klar, dass man an etwas dran sei. Marcus, ein ehemaliger Chef bei Paypal, dankte Visa und Mastercard ausdrücklich dafür, dass sie trotz des Drucks so lange an Bord geblieben seien.

Facebook-Chef Zuckerberg | Bildquelle: AP
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Facebook-Chef Zuckerberg, der als Initiator des Libra-Projekts gilt, wird am 23. Oktober vom US-Repräsentantenhaus befragt.

Verwaltet werden soll die von Facebook initiierte Digitalwährung von der Libra Association mit Sitz in der Schweiz. Dort wird nun am Montag eine wichtige Sitzung zur weiteren Zusammenarbeit stattfinden. Eine weitere wichtige Wegmarke gibt es in rund zehn Tagen. Dann soll Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung in einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zum Einfluss des Online-Netzwerks auf den Finanzdienst- und Immobiliensektor befragt werden. Marcus musste bereits im Juli im US-Senat Rede und Antwort zu Libra stehen.

Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer - bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert - könnte Libra im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen. Experten trauen dem weltgrößten Internet-Netzwerk zu, damit das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen - weil Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern schneller und günstiger werden dürften.

Nach Facebooks Vorstellungen könnte Libra zunächst vor allem bei grenzüberschreitenden Überweisungen zum Einsatz kommen, später dann auch zum Bezahlen von Käufen sowohl online als auch in Läden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2019 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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