Eine Kupfermünze mit Mikrochip-Aufdruck steht aufrecht auf einer Glasplatte, daneben der Schriftzug libra auf blauem Grund. | Bildquelle: REUTERS

Geplante Facebook-Währung Geballter Widerstand gegen Libra

Stand: 13.09.2019 21:30 Uhr

Im kommenden Jahr will Facebook die Digitalwährung Libra starten. Doch weltweit gibt es starke Vorbehalte. Deutschland und Frankreich warnen nun gemeinsam vor unkalkulierbaren Risiken durch Libra.

Facebook muss bei seiner geplanten Kryptowährung Libra mit erbittertem Widerstand in Europa rechnen. Deutschland und Frankreich warnen gemeinsam vor unkalkulierbaren Risiken. Diese seien im Libra-Projekt nicht ausreichend berücksichtigt, erklärten der deutsche Finanzminister Olaf Scholz und sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire gemeinsam.

Sorge um Souveränität

"Wir beide sind zutiefst davon überzeugt, dass die Frage von Währungen in der Hand der Staaten bleiben sollte", sagte Le Maire. "Das ist eine Frage der Souveränität." Veröffentlicht wurde die Erklärung am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Helsinki. "Frankreich und Deutschland sind entschlossen, angemessene Lösungen zum Schutz der Bürger und der Finanzstabilität zu ermöglichen."

Le Maire hatte bereits zuvor erklärt, dass er in Europa kaum Chancen für die Digitalwährung von Facebook sehe. Er und Scholz nannten neben der Souveränität der Länder eine Reihe weiterer "Herausforderungen" durch Kryptowährungen: finanzielle Sicherheit, Investorenschutz, den Schutz vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie den Datenschutz. Gleichzeitig brachten die Politiker erneut die Entwicklung einer staatlichen Kryptowährung ins Gespräch.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz | Bildquelle: dpa
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Bei Libra gebe es zu viele Risiken, meint auch Bundesfinanzminister Scholz.

Libra soll 2020 starten

Facebook will Libra im kommenden Jahr einführen. Der US-Konzern verspricht den Nutzern seiner Plattformen, das Einkaufen und Geldüberweisen im Internet werde dadurch so einfach wie das Versenden einer Textnachricht. Libra gehört zu den sogenannten Stablecoins, deren Preis durch bestimmte Mechanismen vor starken Schwankungen geschützt werden soll - in diesem Fall durch Anbindung an einen Währungskorb. Die Zahlungsdaten liegen bei der sogenannten Blockchain-Technologie auf vielen Servern und sind deshalb kaum manipulierbar.

Gegen Libra laufen Notenbanken, Aufseher und Politiker schon länger Sturm - auch in den USA. Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer von Libra - bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert - könnte die Digitalwährung im internationalen Geldsystem eine wichtige Rolle spielen. Deshalb würden die Anforderungen für eine Zulassung sehr hoch sein, erklärte EZB-Direktor Benoit Coeure. Er sprach von einem Weckruf für die Zentralbank, sich stärker mit Digitalwährungen zu befassen.

Kabinett sucht Strategie

Wie mit digitalen Währungen umgegangen werden soll, darüber berät die Bundesregierung zurzeit. Das Bundeskabinett will noch im September eine Strategie dazu verabschieden. Die Bundesregierung werde sich auf europäischer und internationaler Ebene dafür einsetzen, "dass Stablecoins keine Alternative zu staatlichen Währungen werden", zitiert die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen.

Die Kryptowährung Libra soll nach Angaben des CDU-Parlamentariers Thomas Heilmann blockiert werden. Es habe der Wirtschaft bisher sehr gut getan, "dass wir Krisen und Inflationen durch Maßnahmen der Zentralbanken begegnet sind", sagte Heilmann dem "Spiegel". Sobald erst einmal ein Anbieter einer digitalen Währung den Markt dominiere, werde es für Mitbewerber ziemlich schwer. Heilmann ist in der Unionsfraktion für den Bereich Digitalwährungen zuständig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2019 um 19:00 Uhr.

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